In der griechischen Mythologie entführte der Göttervater Zeus den schönen Ganymed, um ihn auf dem Olymp zu seinem Geliebten und zu seinem Mundschenk zu machen. Dagegen wissen die Brandenburger nicht, wer viele Jahrhunderte später die Marmorgestalt des Ganymed vom Marienberg gestohlen hat. Denn in den letzten Kriegstagen verschwand die Nachbildung des Wredowschen Originals spurlos, war die grazile Figur bis dahin von drei Seiten des Laubengangs umschlossen. Eine Theorie ist, dass die Skulptur, ähnlich wie der Roland, während des Zweiten Weltkrieges durch die Stadtverwaltung in Sicherheit gebracht wurde, das Wissen wo, allerdings verlorenging.
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Der Brandenburger Künstler August Julius Wredow (1804-1891) schuf 1827/30, im Alter von gerade einmal 22 Jahren, die Skulptur des „Schönsten aller Sterblichen“. Das sehr gelungene Werk wurde durch den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm aufgekauft und im Schloß Charlottenhof aufgestellt. Die Brandenburger Kohlenhändler Hermann und Bruno Witte stifteten 1914 für den Marienberg nicht nur die Pergola, sondern auch die Nachbildung des Wredowschen Ganymed.
Dazu gewannen sie mit Paul Hubrich (1869-1948) einen Schüler von Professor Ludwig Manzel, der das in Schloß Charlottenhof stehende Original in wetterhartem Marmor nachbildete. Ganymed ist als etwa15-jähriger Knabe dargestellt, der, nackt, einen Hirtenstab in der rechten Hand hält und nach Osten schaut. Dabei schützt er mit dem linken Arm seine Augen vor der Sonne. Ganymed blickt, so die Mythologie, auf einen Adler, der ihn entführen wird.
Zur Bundesgartenschau 2015 wurde der Laubengang auf dem Marienberg wieder hergestellt. Anstelle des Ganymed wurde ein vom Lions-Club finanziertes Replik eines von August Julius Wredow geschaffenen Kopfes aus weißem Kunststein aus diesem Anlass enthüllt. Das Original, das zur gleichen Zeit restauriert wurde, steht übrigens im hiesigen Stadtmuseum.