Die Alexander Schuke Orgelbau GmbH trauert um Orgelbaumeister Matthias Schuke, der im Alter von 70 Jahren verstorben ist. Aus diesem Anlass hat das Unternehmen folgenden Nachruf veröffentlicht: “Mit ihm verliert der deutsche Orgelbau eine herausragende Persönlichkeit, die über Jahrzehnte die Entwicklung des Handwerks prägte und weit über die Grenzen von Berlin und Brandenburg hinaus Wirkung entfaltete.”
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Weiter heißt es:
"Matthias Schuke wurde 1955 in Potsdam geboren. Sein beruflicher Weg war eng mit der wechselvollen Geschichte des Familienunternehmens verbunden. Nachdem der Betrieb 1972 in der DDR verstaatlicht wurde, schien eine Weiterführung in Familienhand zunächst ausgeschlossen. Dennoch absolvierte er von 1974 bis 1977 die Ausbildung zum Orgelbauer und legte 1988 erfolgreich die Meisterprüfung ab.
Mit der politischen Wende ergab sich unerwartet die Chance, das Unternehmen an die Familie zurückzuführen. 1990 reprivatisierte Matthias Schuke den Betrieb, indem er ihn vom Staat zurückerwarb. Ein Schritt, der großen Mut verlangte und die Grundlage für den Neubeginn bildete.
In den folgenden Jahren führte er die Werkstatt sicher durch eine Zeit der Umbrüche und baute bedeutende Instrumente, unter anderem für den Konzertsaal Archangelsk (1991), den Erfurter Dom (1992), St. Maria Magdalena Templin (1994) und die Philharmonie Lublin (1997). Gleichzeitig setzte er wichtige Akzente in der Orgeldenkmalpflege, etwa mit der Restaurierung der Scherer-Orgel in Tangermünde (1994) und der Wagner-Orgel im Brandenburger Dom (1998).
Für seine Verdienste um das deutsche Orgelbauhandwerk erhielt Matthias Schuke 1998 das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Ein weiterer Meilenstein war die Entscheidung, die über das Potsdamer Holländische Viertel verteilten Werkstätten aufzugeben und einen modernen Neubau zu errichten. Mit großem Weitblick entstanden in den Havelauen in Werder (Havel) neue Werkstatträume, die am 26. Januar 2004 bezogen wurden und bis heute den Standort des Unternehmens bilden.
Darüber hinaus engagierte sich Matthias Schuke intensiv in der Forschung, unter anderem mit der Universität Potsdam. Er widmete sich innovativen Fragestellungen wie der computergestützten Rekonstruktion historischer Pfeifen, Klanganalysen und der Nachbildung einer byzantinischen Doppelorgel.
Auch in den folgenden Jahren prägte er das Profil der Werkstatt entscheidend. Unter seiner Leitung entstanden Orgeln unter anderem für den Magdeburger Dom, das Franziskanerkloster Graz, den Dom in Kaliningrad, eine Kathedrale in Mexiko sowie für ein Konzerthaus in Taiwan.
Im Bereich der Restaurierung erarbeiteten sich Matthias Schuke und sein Team breites Ansehen, etwa bei der Rekonstruktion der Volckland-Orgel in der Erfurter Cruciskirche, der Restaurierung der Köhler-Orgel in Suhl oder der Lütkemüller-Orgel in Seehausen (Altmark). Seine Arbeit diente dem Erhalt eines bedeutenden Teils des kirchlichen Kulturerbes.
2018 übergab Matthias Schuke das Unternehmen an seine Söhne Michael und Johannes, denen er bewusst freie Entscheidungsräume ließ. Als Geschäftsführer schied er aus, stand ihnen jedoch weiterhin beratend zur Seite und verfolgte die Entwicklungen der Werkstatt mit großer Freude.
Mit Matthias Schuke verliert das traditionsreiche Familienunternehmen nicht nur einen versierten Orgelbaumeister, sondern einen Menschen mit Warmherzigkeit, Mut und klarer Haltung.
Die Familie und die Mitarbeitenden der Alexander Schuke Orgelbau GmbH werden sein Andenken in Dankbarkeit bewahren."