Noch ziert eine riesengroße Leinwand mit einem Bild der Wegscheider-Orgel von der Diakonie Michaelshoven-Köln das nördliche Querschiff der Klosterkirche Lehnin. Doch in den nächsten Monaten wird sich das ändern, dann wird genau an dieser Stelle die 2003 von dem Dresdner Orgelbaumeister gebaute Original-Orgel komplett und spielbereit in der Lehniner Klosterkirche stehen. Ein Mammutprojekt für die Gemeinde, denn das gesamte Projekt kostet etwa 350.000 Euro. Am Donnerstag übergab Manja Schüle, Brandenburgs Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur, einen Bewilligungsbescheid über 90.000 Euro aus Mitteln der „Kleinen Denkmalhilfe des Landes Brandenburg“.
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Mehr als 230.000 EUR wurden bereits durch Spenden und Zusagen gesichert und mit dem Aufbau der Wegscheider-Orgel in der Klosterkirche Lehnin erfüllt sich die Gemeinde einen lang gehegten Wunsch. Nach 50 Jahren ohne eine passende Orgel beginnt somit ein neues Zeitalter. Die Evangelische Kloster- und Waldkirchengemeinde Lehnin erhält diese hochwertige Orgel des renommierten Orgelbauers Kristian Wegscheider aus Köln-Michaelshoven. Das 20 Jahre alte Instrument, das die Diakonie Michaelshoven wegen des zerstörerischen Raumklimas an seinem bisherigen Aufstellungsort verkauft, findet in der historischen, denkmalgeschützten Kirche ein neues Zuhause.
Dieses Vorhaben ist nicht nur eine einmalige Gelegenheit, die jahrzehntelange musikalische Lücke zu schließen, sondern auch ein aktiver Beitrag zur Erhaltung von Kulturgütern. Die Wegscheider-Orgel wird die zentrale Rolle der Klosterkirche als kulturellen Anziehungspunkt weiter stärken. Regelmäßige Gottesdienste, Konzerte und die „Lehniner Sommermusiken“ werden eine neue klangliche Dimension erhalten. Orgelbau und Orgelmusik in Deutschland wurden 2017 von der UNESCO zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt.
Die 2003 erbaute Orgel ist ein geschlossenes Kunstwerk höchsten internationalen Ranges, das ohne Umbau in die Klosterkirche passt. Mit 28 Registern und einem vollen, runden Klang, der sich ideal für Musik aus der Ära von Johann Sebastian Bach, aber auch für zeitgenössische Musik eignet, wird sie zukünftig ebenerdig im nördlichen Querschiff stehen. Wegscheiders Instrumente sind für ihre handwerkliche Qualität und ihren unverwechselbaren, von Gottfried Silbermann inspirierten Stil bekannt.
Die damals von Kristian Wegscheider für die Erzengel-Michael-Kirche in Köln-Michaelshoven gebaute Orgel wurde dort allerdings wenig genutzt. Hinzu kamen der falsche Umgang mit der Orgel und die Klimatisierung, wodurch das Holz der Orgel austrocknete und Schaden nahm. Diese Schäden wurden inzwischen an den Einzelteilen, die im hinteren Teil des Kirchenschiffs lagern, repariert. „Allein das verursachte eine Schaden von rund 8.000 Euro“, so der Orgelbauer.
Stolz auf den Erwerb der Orgel ist man nicht nur in der Kirchengemeinde, sondern im ganzen Ort. „Ich habe noch nie erlebt, dass sich eine kleine Gemeinde, wie Lehnin, für so ein Projekt so aus dem Fenster gelehnt hat. Das auch langfristig“, ist Kreiskantor Gerhard Oppelt begeistert. Er hat es überhaupt geschafft, dass die Orgel von Köln nach Lehnin kommt und Pfarrerin Almuth Wisch ist immer noch verwundert darüber, wie Gerhard Oppelt das alles organisiert hat.
Nicht nur, dass der Wiederaufbau der Orgel im nördlichen Querschiff der Klosterkirche eine große Aufgabe ist, das Datum der Fertigstellung treibt Kristian Wegscheider auch Schweiß auf die Stirn, denn schon im Sommer 2026 soll sie für erste Konzerte bereit sein und die Klosterkirche Lehnin mit ihrem Klang erhellen. „Die Orgel ist über Konfessionen hinaus ein Bindeglied. Sie schafft es, Menschen, auch die, die nicht kirchlich geprägt sind, zusammenzubringen. Die Orgel ist die Brücke der Seele“, so der Dresdner Orgelbauer. Er würde sich freuen, wenn alles funktioniert, wie geplant.