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Ein verkohlter Engel erinnert an den Orgelbrandt in der St. Gotthardtkirche

Historisches
  • Erstellt: 15.12.2025 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Gegen 16.30 Uhr wurde am 5. Mai 1972 die Feuerwehr alarmiert. Rauchschwaden stiegen aus der St. Gotthardtkirche auf. Im Inneren brannte die aus dem Jahre 1736 stammende Orgel. Schnell war die Feuerwehr vor Ort, die zwar letztlich Schlimmeres verhinderte, die Wagner-Orgel und den Orgelprospekt von Johann Georg Glume jedoch nicht mehr retten konnten. Ein halbes Dutzend Löschzüge waren vor Ort und die Kameraden verhinderten über mehrere Stunden, dass sich das Feuer ausbreitete.
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Mitten in den Löscharbeiten stürzte ein Kronleuchter in das Kirchenschiff. „Da hatten wir viel Glück, dass niemand verletzt wurde“, so der damalige Einsatzleiter Alfred Wetter.

Schnell war klar, dass es zwei in Hohenstücken stationierte NVA-Soldaten waren, die die Katastrophe ausgelöst hatten. Sie erhielten im Gemeindehaus den Schlüssel und besichtigten das Gotteshaus. Auch die Orgel nahmen sie in Augenschein. Um sie besser sehen zu können, bestätigten sie einen Schalter. Als nichts passierte, drückten sie auf einen zweiten Schalter und das Licht ging an. Was sie nicht wussten war, dass sie mit dem ersten Schalter einen Infrarotstrahler in Gang gesetzt hatten. „Der sollte eigentlich dafür sorgen, dass die Finger in der kalten Kirche beim Spielen warm blieben“, erinnert sich die damals zuständige Kirchenmusikerin Bettina Damus. Nun aber entzündete er die im Spieltisch liegenden Notenblätter. Die beiden Soldaten selbst bemerkten, nachdem sie den Schlüssel wieder abgegeben hatten, den Qualm und alarmierten die Feuerwehr.

Letztlich verbrannten Orgel und Orgelprospekt. Die Pfeifen waren durch die gewaltige Hitze schnell geschmolzen. Die diversen Kunstschätze, Wände und Decken waren rußgeschwärzt und das Kirchenschiff und vor allem der Turm durch das Löschwasser in Mitleidenschaft gezogen. An Gottesdienst war danach erst einmal nicht zu denken. Aber zu Weihnachten 1972 packten die Gemeindemitglieder zu, um wenigstens diesen Gottesdienst in ihrer angestammten Kirche feiern zu können. Es sollte 14 Jahre dauern, ehe die Kirche wieder über eine große Orgel verfügte. Da einer der beiden Soldaten haftpflichtversichert war, beglich die Staatliche Versicherung nach langwierigen – mehrjährigen - Verhandlungen schließlich die Wiederherstellungskosten.

Erste Adresse für einen Orgelneubau war die Potsdamer Firma Schuke. Deren Auftragsbücher waren zwar voll, doch 1986 war das neue Musikinstrument vollendet und die hiesige Tischlerei Klaus Lietze hatte den Prospekt fertiggestellt. Die Einweihung erfolgte am 7. September, ließ Ernst Damus die Orgel erklingen. Heute erinnert noch ein ehemals zum Glume-Prospekt gehörender Engel an den verheerenden Brand. Angekohlt überstand er das Feuer und so sitzt er heute unweit der Taufkapelle.

Bilder

Der verkohlte Engel erinnert an den Orgelbrand in St. Gotthardt im Jahre 1972. / Foto: Alert
So sah die Orgel aus, ehe sie durch das Feuer vernichtet wurde. / Foto: Archiv Alert
Im Jahre 1986 konnte dann dieses Musikinstrument eingeweiht werden. / Foto: Alert
So sah bis 1972 derder Wagner-Orgel aus. / Foto: Archiv Alert
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