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Eine goldene Kugel und ein Anker erinnern an die Geschichte des Hauses in der Neustädtischen Heidestraße 54

Historisches
  • Erstellt: 21.12.2025 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Im halbrunden Giebel des Hauses Neustädtische Heidestraße 54 ist neben dem Spruch „Soli Deo Gloria“ auch ein Anker zu erkennen. Der weist darauf hin, dass das Haus einst die Gaststätte „Zum Anker“ beherbergte. Später hieß die Gaststätte „Goldene Kugel“. Darauf weist wiederum die das hübsche Haus bekrönende goldene Kugel hin. Auch die Maschinenbauanstalt Reinboth hatte hier zeitweilig ihren Sitz.
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Doch richtig bekannt wurde die Adresse durch die Tatsache, dass hier am 8. Juni 1863 der berühmte Chemiefabrikant Friedrich August „Fritz“ Raschig geboren wurde. Sein Vater hatte ein Jahr zuvor in dem Haus eine Zierleistenfirma gegründet. Und er richtete seinem naturwissenschaftlich interessierten Sohn ein kleines Chemielabor ein. Der promovierte, machte diverse Erfndungen, gründete später sein eigenes Chemieunternehmen und wurde sogar Reichstagsabgeordneter.

Das Haus wurde im Jahre 1737 in der Regierungszeit des Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. errichtet. Damals allerdings noch zweigeschossig. Im Jahre 1929 ließ der Gastwirt Paul Budig, damals Inhaber der „Goldenen Kugel“, dann ein weiteres Geschoss errichten. Und er setzte einen Schaft mit einer goldenen Kugel auf den Giebel.

Die Bekrönung wiederum wurde knapp 70 Jahre später im Zuge einer Komplettsanierung geborgen. Zum Vorschein kam ein geradezu riesiges Vermögen – mehrere Billionen Mark - in 30 Geldscheinen, auch Stadtgeld, aus der Inflationszeit. Aber auch Briefe der beteiligten Handwerker, von Freunden und von Bekannten sowie verschiedene Werbezettel fanden sich in Schaft und Kugel.

Das hineingelegte Geld war nicht nur nichts wert, sondern zum Teil nicht einmal echt. Auf der „Reichswanknote“ über fünf Billionen Mark stand: „Wer heutzutage Reichsbanknoten für ehrliches Geld hält, aus dem Verkehr zieht und als Notgroschen zurücklegt, sollte mit Irrenhaus nicht unter zwei Jahren bestraft werden“. Übrigens wurde die Kugel nach der Sanierung wieder mit dem kopierten Inhalt bestückt.

Bilder

Die „Goldene Kugel“ kurz vor der Aufstockung im Jahre 1929. Foto: Archiv Alert
Ein Blick in das Innere der Gaststätte. Foto: Archiv Alert
Der Fünf-Billionen-Mark-Schein ist ein echtes Kuriosum. Foto: Archiv Alert
Heute sieht das fast 300 Jahre alte Gebäude so aus. Foto: Alert
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