Vor 100 Jahren, am 19. Dezember 1925, fand im gerade fertiggestellten Rathaus in Kirchmöser, im Ratssaal, die erste Gemeindesitzung statt. Das Haus ist ein neubrocker Ziegelbau im Stile eines Herrenhauses. Es symbolisierte damals das gesteigerte Selbstbewußtsein der Gemeinde, die noch um 1900 gerade einmal 286 Einwohner zählte. Mit der Ansiedlung der Pulverfabrik im Jahre 1915 wuchs Kirchmöser rasant und benötigte schon bald eine repräsentative Verwaltung. Ursprünglich sollte die Deutsche Reichsbahn im Zusammenhang mit den beiden Werkssiedlungen als Bauherr auftreten. Als die sich weigerte, sprang die durch Steuereinnahmen zahlungskräftige Gemeinde ein.
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So erging wohl im Jahre 1924 an den Berliner Architekten Otto Rehnig (1864-1925) der Auftrag ein repräsentatives Rathaus zu entwerfen. Zugleich wurde das Grundstück erworben. Am 1. November 1924 erfolgte die Grundsteinlegung und im Herbst 1925 war das zweigeschossige Haus mit dem Mansardwalmdach fertiggestellt. Das Haus erhielt ein Eingangsportal, ein Giebeldreieck mit Uhr und ein Glockenturm. Bleiverglaste Treppenhausfenster und schmiedeeiserne Geländer zeugen von damals noch vollen Gemeindekassen. Das Haus enthielt im Ober- und Dachgeschoß und auch im Keller mehrere Wohnungen.
Im Jahre 1952 wurde Kirchmöser nach Brandenburg eingemeindet. Die Räumlichkeiten wurden von der Sparkasse und dem ABV, einer Art Revierpolizist, genutzt. Der einstige Ratssaal diente nun als Hochzeitszimmer. Und das Haus, das 2003 teilsaniert wurde, erhielt weiterhin mehrere Wohnungen. 2012 schrieb die Stadt Brandenburg das Rathaus mit seinen 738 Quadratmeter Nutzfläche und dem gut 3000 Quadratmeter großen Grundstück zum Kauf aus. Ende 2015 erwarb ein Wusterwitzer die Immobilie. Im Rahmen der Sanierung entstanden ein Dutzend Wohnungen und der Trausaal wird nun als Gemeinschaftsraum genutzt.