Das „Café Graf“ in der Hauptstraße war einst die erste Adresse in der Stadt für wohlhabende Brandenburger, die Kaffee trinken und ein Stückchen Kuchen essen wollten. „Das erste Haus am Platze“, wie der Eigentümer Otto Graf im Jahre 1933 in einer Annonce warb, verfügte über eine eigene Konditorei, in der nicht nur feines Gebäck und Torten hergestellt wurden, sondern auch Eisspeisen.
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Das Café im Zentrum der Havelstadt verfügte vor dem 2. Weltkrieg auch über einen Saal mit täglichen Konzerten und über einen schattigen Garten. In den Obergeschossen gab es Zimmer für Tischtennis, Bridge und Schach. Und gleich sechs erstklassige Billards standen den Gästen zur Verfügung. Extra beworben wurde ein bewachter Parkplatz direkt vor dem Gebäude. Im Obergeschoß residierte auch eine Weinhandlung. Heute ist das ehemalige „Café Graf“ Bestandteil des nicht unter Denkmalschutz stehenden Hauses Hauptstraße 26/28. Die Nummer 28 entstand um 1865 als Zweigeschosser. Noch vor 1900 folgte die Nummer 28, die am Anfang des 20. Jahrhunderts jedoch bis auf das Erdgeschoss abgetragen wurde und darauf dann drei weitere Geschosse erhielt. Erst 1969 erhielten die beiden Häuser eine einheitliche Fassade. Die Gastronomie firmierte da schon als „Stadtcafé“. Regelmäßig gab es dort auch Tanzveranstaltungen.
In der Wendezeit wurde die riesige Immobilie mit einer Nutzfläche von 1350 Quadratmetern der Stadt zugeordnet. Das Haus beherbergte damals nicht nur das Café, sondern auch im ersten Obergeschoß von der Volkssolidarität genutzte Säle. Im Jahr 2002 versuchte die Stadt erstmals die Immobilie zu verkaufen. Der Verkehrswert lag da noch bei 552.000 Euro. Als das mißlang, schwenkte man um und bot die Räumlichkeiten zur Miete an. Im Erdgeschoss wurden schließlich ab 2006 das Eiscafé „Piccolo“ und das Café „Piazza San Marco“ betrieben. Im Jahre 2013 erfolgte der nächste Versuch das Haus an den Mann zu bringen. Und mit Matthias Gregesen fand sich schließlich 2014 auch ein Käufer, der nun noch 301.000 Euro für den Kauf aufbringen musste. Die Sanierung dauerte drei Jahre. Im Sommer 2025 endete dann das Kapitel Café. Seitdem werden die geschichtsträchtigen Räumlichkeiten umgebaut. Diese sollen im nächsten Jahr als japanisch-vietnamesisches Restaurant „Mido“ wiedereröffnet werden.