Für nicht einmal 20 Jahre gab es in Wusterwitz eine Anstalt für Nerven- und Gemütskranke. Dr. Karl Bünger ließ im Jahre 1903 in der heutigen Rosa-Luxemburg-Straße fünf Krankenhäuser, ein Wirtschaftshaus mit Dampf-, Koch- und Waschküche, ein Maschinenhaus, eine Kläranlage, einen Stall und eine Leichenhalle bauen. Es gab elektrisches Licht, eine Zentralheizung und Innentoiletten. Im Dorf Wusterwitz war das zu damaliger Zeit ein echter Luxus.
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Dr. Bünger behandelte seine Patienten in großzügigen und hellen Räumen, vermied vergitterte Fenster und Mauern und setzte auf vielfältige Beschäftigung der Kranken. So gab es einen Garten, Felder, Werkstätten und Tiere wurden auch gehalten. Bereits nach drei Jahren wurde in der Büngerschen Anstalt die Bettenzahl von 115 auf 225 fast verdoppelt. Für das Jahr 1909 sind zwei Ärzte und 50 Angestellte belegt. Der Boom endete nach dem 1. Weltkrieg. Dr. Bünger musste schließlich seine Anstalt schließen, die er 1921 an die Deutsche Reichsbahn veräußerte. Die baute die Gebäude zu Wohnhäusern für ihre Angestellten und Arbeiter um, die im nahen Reichsbahnausbesserungswerk tätig waren.
Im Jahre 1945 beschlagnahmten die Russen die Anlage, mussten die Mieter ihre Wohnungen innerhalb von nur 90 Minuten verlassen. Das war aber nicht von Dauer, nutzten die Russen schon bald das ehemalige Feuerwerkslaboratorium als Kaserne. Im Jahr 2000 verkaufte die Deutsche Bahn AG die einstige Büngersche Anstalt, die seit 1992 unter Denkmalschutz steht, an die Wohnungsbaugenossenschaft Stahl.
Dr. Bünger selbst wohnte auf der anderen Straßenseite in einer Villa mit dem Äußeren einer Trutzburg. Die hatte 1905 der Ingenieur Georg Stade gebaut und nach Fertigstellung an Dr. Bünger veräußert. Von ihm hatte dieser bereits das Grundstück für seine Anstalt gekauft. In den 1930er Jahren war Max Schnirring Mieter. Der Arado-Testpilot war mit der Prinzessin Caroline Mathilde von Sachsen-Coburg verheiratet. Sie brachte drei Kinder in die Ehe und hatte mit Schnirring nochmals zwei Kinder. Er stürzte 49-jährig am 5. Juli 1944 bei Stralsund ab und starb am Tag darauf. Seine Frau verließ bald darauf Wusterwitz.
Nach dem Krieg brachte die Gemeinde den Kindergarten in der Villa unter. 1993 wurde das Haus leergezogen und stand dann lange leer. 2002/03 erwarb der Kirchmöseraner Volker Kunzelmann die Villa und richtete darin seine Praxis als Hautarzt ein.