Logo

Berühmter Architekt Otto Bartning plante die Christuskirche in der Thüringer Straße

Historisches
  • Erstellt: 20.01.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Mit der Grundsteinlegung des Stahlwerkes im Jahre 1912 kam auch die Frage der Unterbringung der Arbeiter und ihrer Familien auf. So wurde auf der gegenüberliegenden Straßenseite 1918/19 die Siedlung Wilhelmshof gebaut. Während für die Katholiken 1934/35 die Kirche St. Bernhard entstand, bauten sich die evangelischen Christen bereits sechs Jahre früher in Formen des Bauhauses in der heutigen Thüringer Straße 9 ihre Christuskirche. Dieses damals noch auf freiem Feld stehende Gotteshaus ist insofern berühmt, als dass Otto Bartning (1883-1959) für die Pläne verantwortlich zeichnete. Bartning gilt immerhin als bedeutendster Kirchenbauarchitekt seiner Zeit.
Anzeige

Dabei war die 1924 gegründete evangelische Kirchengemeinde Wilhelmshof nicht gerade vermögend. Oskar Goehling wurde als Pfarrer bestellt, der sich aber parallel auch noch um die reformierte St. Johannisgemeinde kümmern musste. Goehling sammelte Spenden für den geplanten Neubau und wurde deshalb bald nur noch „Bettelpastor“ genannt. Die Jahres-Kirchensteuer-Einahmen der Arbeitergemeinde betrugen gerade einmal 480 Reichsmark. Allein die Baupläne kosteten 350 Mark.

Da Architekt Otto Bartning im Jahre 1925 noch zu großzügig geplant hatte, kam es zu einem 2. Entwurf, der nun einen schlichten Holzbau vorsah. Im Frühjahr 1928 lag dann der 3. Entwurf vor. Der sah zwar auch Holz als Baumaterial vor, doch wurde der Bau schließlich massiv ausgeführt. Im Inneren wurde dagegen viel Holz verbaut. Wegen des geringen Budgets musste Otto Bartning den Kirchenbau mit Gemeindezentrum sehr funktional und sachlich planen.

Am 17. Juni 1928 wurde der Grundstein für den schlichten Putzbau gelegt. Innerhalb eines halben Jahres entstanden ein Saal für bis zu 120 Personen, ein Versammlungsraum für etwa 30 Personen, ein Kinderhort – heute die Kita „Regenbogen“ -, eine Teeküche, ein Schwesternzimmer und eine Hausmeisterwohnung. Im hinteren Teil erhebt sich ein Glockenturm. Auf dem Schornstein daneben wurde ein Kreuz installiert.

Die Einweihung erfolgte am 16. Dezember 1928. Damit waren die Zeiten, als die Gottesdienste in einemGasthaus oder einer Baracke auf dem Firmengelände stattfanden endlich vorbei. Heute gehört die etwa 350 Mitglieder starke Christusgemeine zu St. Gotthardt und wird von Pfarrer Philipp Mosch betreut. Vor gut fünf Jahren wurde der Flachbau für gut eine halbe Milion Euro umfassend saniert.

Bilder

Die Christuskirche stand bei ihrer Einweihung im Jahre 1928 noch auf dem freien Feld. Foto: Archiv Alert
Der Flachbau besteht aus Kirche, Kindergarten und Küsterwohnung. Foto: Alert
Das ist der Eingang zum Gotteshaus, das heute von Wohnhäusern umgeben ist. Foto: Alert
Der berühnte Architekt Otto Bartning. Foto: Archiv Alert
Dieser Artikel wurde bereits 2.814 mal aufgerufen.

Werbung