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Der Tod eines italienischen Genossen an der Grenze und das hiesige Elektrostahlwerk

Historisches
  • Erstellt: 25.01.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Am 5. August 1976 wurde der italienische Lastwagenfahrer Benito Corghi an der innerdeutschen Grenze am Übergang Hirschberg von einem NVA-Soldaten erschossen. Das hat offensichtlich direkte Auswirkungen auf die Stadt Brandenburg gehabt. Denn es gibt Hinweise darauf, dass die DDR-Staatsführung wegen dieses Vorfalles damals ausgerechnet einer italienischen Firma den Zuschlag für den anstehenden Bau von zwei Hochleistungsöfen und nachfolgenden Stranggussanlagen des auf dem Quenz geplanten Elektrostahlwerkes erteilt hat. Das war wohl kein Zufall.
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Es war übrigens das einzige Mal, dass die DDR bei einem Toten an der Grenze eine Schuld einräumte. Das hing auch damit zusammen, dass der 38-jährige Benito Corghi Mitglied der Kommunistischen Partei Italiens war. Die SED unterhielt auch wegen wirtschaftlicher Vorteile gute Beziehungen zu den recht einflussreichen italienischen Kommunisten. Auf höchster Ebene glühten vor gut 50 Jahren die diplomatischen Drähte. Die Familie von Benito Corghi – er hatte eine Ehefrau und zwei Kinder - erhielt damals als Entschädigung 80.000 DM und der Sohn Allessandro durfte in den 1980er Jahren an der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg studieren.

Und dann, bisher unbekannt, wurden die Italiener eben mit diesem Großauftrag besänftigt. Ab 1977 wurde gebaut. Dazu wurde innerhalb des SWB ein Aufbaustab gebildet. Die DDR selbst verfügte über keine Firma, die eine derartige Anlage errichten konnte. „Über die damalige Auftragserteilung existieren bei uns allerdings keinerlei Unterlagen, wurde das auf einer deutlich höheren Ebene entschieden“, so Marius Krohn vom Industriemuseum. Zumindest passe der zeitliche Ablauf zu dem Gerücht, da der Vertrag im März 1977 unterzeichnet wurde.

Den Zuschlag bekam damals die Firma Danieli aus Buttrio bei Udine. Die auf Anlagenbau für die Metallurgie spezialisierte Firma installierte große Teile des Stahlwerkes, wobei die ebenfalls italienische Firma Riva als Subunternehmer in Erscheinung trat. Ein dänisches Unternehmen zeichnete für den Hallenbau verantwortlich. Im April 1980 ging das Elektrostahlwerk in Betrieb. Die Italiener und Dänen wurden übrigens in Raumzellen am Neuendorfer Sand untergebracht. Eine nutzt die SG Stahl heute noch für ihre Abteilung Billard. Auch einige andere sind noch erhalten.

Bilder

Der LKW-Fahrer Benito Corghi. Quelle: privat
Das Elektrostahlwerk wird heute von Riva betrieben. Foto: Alert
Einige Raumzellen erinnern noch an die Italiener. Foto: Alert
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