Dr. Johann Caspari (1888-1984) gilt als Mitbegründer der Arbeiterwohlfahrt. Die wurde im Jahre 1919 von der SPD-Reichstagsabgeordneten Marie Juchacz aus der Taufe gehoben. Johann Caspari war zu diesem Zeitpunkt Leiter des Jugendamtes in Neukölln tätig und seit 1916 ebenfalls SPD-Mitglied. Bisher kaum bekannt: Johann Caspari arbeitete von 1920 bis 1922 in der Brandenburger Stadtverwaltung.
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Nach dem Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften promovierte der gebürtige Berliner in Greifswald. Zugleich trat er seine Stelle beim Vormundschaftsgericht in Berlin an. 1919 war er dann in Neukölln zu finden. Um seine Karriere voran zu bringen, wurde er am 1. April 1920 besoldeter Stadtrat in Brandenburg, wo er auch das gerade gegründete Wohlfahrtsamt leitete. Am 9. Dezember 1920 stieg er sogar zum 2. Bürgermeister der Stadt und somit als enger Mitarbeiter von Oberbürgermeister Walther Ausländser auf. Seine Amtseinführung während einer Stadtverordnetenversammlung erfolgte am 13. Januar 1921. Als er jedoch die Chance erhielt, Landeshauptmann der Provinz Grenzmark Posen-Westpreußen zu werden, ließ er bereits 1922 die Stadt hinter sich.
Der SPD-Genosse Johann Caspari übernahm mit Amtsantritt die Leitung des im Herbst 1919 gegründeten kommunalen Wohlfahrtsamtes. Das hatte vor allem die Aufgabe die noch herrschende Nachkriegs-Not zu lindern und auch erste Auswirkungen der Inflation sollten eingedämmt werden. Zu seinem Aufgabenbereich gehörten die Alten-, Kinder- und Obdachlosenheime. Breiten Raum nahm die Hilfe für Kriegsbeschädigte und Kriegshinterbliebenen ein. Im Laufe des Jahres 1921 wurde das Wohlfahrtsamt personell aufgestockt. Eingestellt wurden ein Stadtarzt, eine Stadtschwester, zwei Fürsorge-Mitarbeiter und ein Berufsberater.
Als Bürgermeister machte sich Johann Caspari ganz besonders um die Carl-Reichstein-Stiftung verdient. Bei seinem Amtsantritt hatte er die Stiftungsurkunde entdeckt. Er setzte letztlich die Gründung des vom Chef der Brennaborwerke gewünschten Krüppelheimes um. Die Stiftung wurde am 18. April 1921 eröffnet. Sitz des Heimes und auch des Wohlfahrtsamtes war das frühere Offizierskasino in der Magdeburger Straße.
Im Jahre 1933 musste Caspari wegen seines jüdischen Glaubens, obwohl er bereits 1918 ausgetreten war, aus seinem Amt scheiden. Über das Saargebiet, Prag und Paris emigrierte CaspariEnde März 1941 in die USA. Er und seine Kinder waren bereits 1937 ausgebürgert worden. Nach einigen Monaten als Fabrikarbeiter arbeitete er von 1943 bis 1946 für zwei US-Geheimdienste. John Caspari, wie er sich nun nannte, fungierte anb 1947 als Professor für Deutsch an der Howard University Washington. Er starb 1984 im hohen Alter von 95 Jahren in San Francisco.