Etwas über zehn Jahre ist es her, dass der Berliner Rechtsanwalt Ferrèol Jay von Seldeneck das Mahlenziener Gutshaus inklusive 2,3 Hektar Land erwarb. Damit endete die Angst, dass Mahlenzien eines seiner beiden Wahrzeichen – direkt neben dem Gutshaus steht noch die Dorfkirche – verliert. Schließlich stand das zweigeschossige Gebäude, das sogar noch 1955 unter Denkmalschutz gestellt worden war, bereits ab dem Jahre 1972 wegen Baufälligkeit leer.
Anzeige
Die Familie von Schierstedt hatte im Jahre 1804 den recht schlichten Ziegelbau errichtet. Bis 1945 gehörte das Gut zum Komplex Dahlen. Im Mai 1945 plünderte die Rote Armee das Gutshaus, das im Zuge der Bodenreform dann auch eingezogen wurde. Anschließend entstanden im Inneren ohne größere Eingriffe in die Bausubstanz insgesamt sechs Wohnungen. In den frühen 1950er Jahren nutzte schließlich die LPG „Silberquelle“ den Gutshof. Zugleich war in dem Haus auch die Gemeindebibliothek untergebracht, ehe 1972 das Aus kam.
Nach der Wende war der Zustand des Hauses geradezu desaströs. Der Berliner Architekt Carsten Ostrowicz erwarb im November 1993 die Immobilie vom damals gerade noch zuständigen Amt Wusterwitz. Wegen kleinerer Formfehler wurde die Kaufurkunde jedoch erst im Mai 1996 ausgestellt und die Grundbucheintragung erfolgte am 14. Januar 1997. Die Ideen einer Nutzung reichten vom Bürogebäude über einen kleinen Wohnpark und ein Reha-Zentrum bis hin zum Reiterhof. Zuletzt sollte das Mahlenziener Gutshaus, das sich mittlerweile längst zu einem Schandfleck entwickelt hatte, in eine Kultureinrichtung umgewandelt werden.
Ende 1999 wurde dann endlich als erster Rettungsschritt das Dach mit Hilfe der Brandenburger Feuerwehr gesichert. In den Jahren danach wurde dieses Dach dann mit Hilfe verschiedener Fördertöpfe und Geld des Eigentümers gesichert. Es flossen 155000 Mark. Letztlich verabschiedete sich 2015 Carsten Ostrowicz von dem Projekt und veräußerte die Immobilie an den 1943 in Baden-Baden geborenen Ferrèol Jay von Seldeneck. Der sanierte das Haus nicht nur für gut eine Million Euro, sondern öffnet seitdem auch das Haus regelmäßig für Kulturveranstaltungen.