Der Schulreformer Friedrich Eberhard von Rochow (1734-1805) war nicht nur der Gut-Mensch, der den Kindern seiner Untertanen Schulbildung ermöglichte, sondern auch Gutsherr und Unternehmer. Als solcher ließ er sich im Jahre 1789 in der St. Annenstraße/Ecke Deutsches Dorf ein repräsentatives Stadt-Palais errichten. Der heute nicht mehr vorhandene prächtige Barockbau überragte die Nachbarbebauung. Es war dreigeschossig und verfügte zudem über ein hohes Mansarddach. Der Landesdenkmalpfleger Marcus Cante ordnet das Gebäude als damals großzügigsten Wohnbau der Stadt ein.
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Wie häufig Friedrich Eberhard von Rochow in dem Haus wohnte, ist nicht überliefert. Da das Reckahner Schloss als Sommersitz galt, könnte er hier aber durchaus die Wintermonate verbracht haben, wobei der Gutsherr auch noch über Wohnsitze in Berlin und Halberstadt verfügte. In Halberstadt war er Domherr. Seltsamerweise taucht die Brandenburger Adresse im gesamten Briefverkehr Rochows nicht einmal auf.
Der mittlerweile verstorbene Rochow-Experte Otto-Günther Beckmann vermutete sogar, dass das Stadtpalais nur ein Investitionsobjekt war, das später gewinnbringend verkauft werden sollte. Allerdings liegt es auch nahe, dass der geschäftstüchtige Gutsherr den bis heute erhalten gebliebenen 33 mal 4,6 Meter großen Keller als Zwischenlager für landwirtschaftliche Produkte nutzte, die dann auf dem nahen Marktplatz angeboten wurden.
Rochow starb 1805. Er hatte bereits 1798 das Haus an den Kaufmann Johann David Schumann veräußert. Ab 1815 war Kaufmann F. G. Rost der Eigentümer, der wohl in die Fassade Schaufenster für Ladenlokale integrierte. Rost betrieb ein Wein-, Delikatessen- und Materialwarengeschäft. 1840 eröffnete er das „Hotel de Brandenbourg“. Das Hotel hatte bis 1863 Bestand. Im mittleren Geschäft bot Seifenhändler Zieten wohl ab 1842 seine Produkte an. Der Familie Zieten gehörte das Haus ab 1890. Bei der Verteidigung der Stadt im April 1945 wurde das Rochow-Palais zerstört. Heute steht dort ein Neubau, der die Krankenkasse Barmer beherbergt.