„Eschers Gesellschaftshaus“ in der Sankt-Annen-Straße 8/9 galt vor 1945 als größtes Etablissement der Innenstadt. Das Restaurant mit verschiedenen Sälen und Vereinszimmern befand sich stadtauswärts auf der linken Seite vor der Sankt-Annen-Brücke, dort, wo sich heute eine kleine Parkanlage befindet. Wie so viele Gebäude in der einstigen Prachtstraße wurde das Gesellschaftshaus in den letzten Tagen des Weltkrieges im April 1945 bei den tagelangen erbitterten Häuserkämpfen zerstört.
Anzeige
Julius Escher eröffnete am 1. Oktober 1875 sein Restaurant. Das verfügte über einen großen Saal für Hochzeits- und Vereinsfeierlichkeiten. Im Jahre 1902 übernahm Sohn Paul, der in der Folgezeit nicht nur das Nachbargrundstück kaufte, sondern auch einen viergeschossigen Neubau errichten ließ. Das Haus hatte drei große Vereinszimmer mit Piano. Paul Escher warb sowohl mit einer bequemen Auffahrt zum eigens angelegten Parkplatz für Automobile, als auch mit einem schattigen Biergarten.
Da das Grundstück an den Stadtkanal grenzte, verfügte das „Gesellschaftshaus“ auch über eine Steganlage. Neben Motor-, Segel- und Ruderbooten legten dort auch regelmäßig Dampfer an. Das Restaurant galt als erste Adresse für Dampfer-Ausflügler aus Berlin und Potsdam. Auch, weil sie nach der Fertigstellung des Silokanals keine Schleuse passieren mussten, um zu dem Restaurant zu gelangen. Sonntags spielten zudem hiesige Militärkapellen auf, es gab aber auch Varietè-Aufführungen. Außerdem verfügte „Escher“ über eine überdachte Kegelbahn.
Am 2. April 1933 fand im Saal des Gesellschaftshauses die erste Stadtverordnetenversammlung nach der kurz zuvor stattgefundenen Kommunalwahl statt. Dabei wurden die SPD-Abgeordneten, weil sie beim Horst-Wesel-Lied nicht stramm standen, aus dem Saal geprügelt. Nicht von ungefähr benannte Paul Escher 1934 sein Gesellschaftshaus „Älteste nationalsozialistische Großgaststätte“.