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Der störrische Esel war das Lieblingsspielzeug Ernst Paul Lehmanns

Historisches
  • Erstellt: 17.02.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Der Erker des Jugendstilhauses des Spielzeugfabrikanten Ernst Paul Lehmann (1856-1934) in der Plauer Straße ragt in den Straßenraum hinein und trägt als Schmuck ein Relief, das einen störrischen Esel zeigt. Der stammt von dem renommierten deutschen Bildhauer Otto Stichling (1866-1912). Hintergrund ist, dass der störrische Esel ein überaus erfolgreiches mechanisches Blechspielzeug des Lehmann-Werkes war. Und er soll das Lieblingsspielzeug Lehmanns gewesen sein. Von diesem Erker aus beobachtete der Spielzeugfabrikant übrigens jeden Morgen, ob seine Mitarbeiter auch pünktlich waren. Das Haus beherbergte Wohnung und Kontor des Fabrikanten. Die enge bauliche Verbindung von Wohnung und Fabrik war im ausgehenden 19. Jahrhundert zumindest bei Familienunternehmen typisch.
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Im Jahre 1881 hatte Ernst Paul Lehmann die Blechspielwaren-Fabrik gegründet. Die Produktion lief über Jahre geradezu auf Hochtouren, bis am 20. März 1895 das Fabrikgebäude abbrannte. Bereits ein Jahr später konnte Lehmann die neue Fabrik in der Plauer und Klosterstraße einweihen. Auch die betrieb er sehr profitabel. 1901 ließ Lehmann daher die Plauer Straße 6, ein im Kern aus dem 18. Jahrhundert stammendes Haus, komplett umbauen. Dazu verpflichtete der eigentlich als konservativ bekannte Fabrikant ausgerechnet den damals bedeutendsten Vertreter des Jugendstils, den Architekten, Stadtplaner und Designer Bruno Möhring (1863-1929). Und der wurde seinem Ruf vollauf gerecht.

Das viel beachtete Haus mit der Stuckfassade ist heute eines der bedeutendsten Jugendstil-Gebäude des Landes Brandenburg. Blickfang ist der imposante, zweigeschossige Erker. Ein Kupferblechkranz bildet den Abschluss. Auf dem Dach installierte Möhring eine Sandauflage, die einerseits ein langsames Absickern des Regenwassers, andererseits auch eine vernünftige Raumtemperatur ermöglichte. Zwischen Erker und Risalit befindet sich jeweils eine Dachgaube. Das Haus ist ein Gesamtkunstwerk, bei dem jedes Detail stimmig ist. Selbst die Regenrinne, die Hausnummer, die Türklinke oder der Schuhabtreter verdienen Aufmerksamkeit.

Bruno Möhring zeichnete auch für das Innere, selbst für die heute nicht mehr vorhandene Möblierung, verantwortlich. Das Vestibül mit der Holzvertäfelung ist genauso erhalten geblieben wie die farbigen Fenster, die Decken, die Wandgarderobe oder die Heizkörper. Jede Türklinke hatte eine andere Form. Ernst Paul Lehmann scheint mit seinem Architekten sehr zufrieden gewesen zu sein. Denn einige Jahre später ließ er ihn die Bismarckwarte entwerfen.

Bilder

Das Treppenhaus des zweigeschossigen Gebäudes. Foto: Alert
Auch Fenster und Heizkörper wutden im Jugendstil gestaltet. Foto: Alert
Die Rückseite des Jugendstil-Hauses im Jahre 2003. Foto: Alert
Das Relief am Haus Plauer Straße 6 zeigt einen störrischen Esel. Foto: Alert
Die Fassade des Lehmann-Wohnhauses im Jahre 1992. Foto: Alert
Blick in das eindrucksvolle Foyer des Jugendstil-Hauses. Foto: Alert
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