Die Steinstraße 8 beherbergte einst die renommierte Weinstube und Weingroßhandlung der Gebrüder Cramer. Dem viergeschossigen Bauwerk, entworfen vom königlichen Baurat Ludwig Heim (1844-1917), sieht man das zwar heute nicht mehr an, doch der Rückseite schon. Die zum Katharinenkirchplatz weisende rote Klinkerfassade verrät, dass hier einst mit Wein gehandelt wurde. Dies erkennt man am Eingang, der in der Form eines Weinfasses gestaltet wurde.
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Die Weinhandlung Cramer wurde im Jahre 1866 gegründet. Das Haus war zu diesem Zeitpunkt noch zweigeschossig. Im Jahre 1883 boten die Gebrüder in einer Geschäfts-Anzeige die größte Auswahl an reinen Bordeaux-, Rhein- und Moselweinen sowie Cognac, Rum und Liköre an. Die Gebrüder Cramer fusionierten wohl 1884 mit Ludwig Mitscher und übernahmen auch dessen Weinhandlung in Berlin.
1893/94 entstand dann in der Steinstraße der Neubau mit Giebel, Erker und viel Stuck. Zugleich wuchs auf der Rückseite, anstelle von vier zweigeschossigen Fachwerkhäusern, das viergeschossige Weinlager in die Höhe. Die Hauptkellerei unterhielten die Gebrüder in der Folgezeit in dem auffälligen Gebäude mit der Adresse Katharinenkirchplatz 10. Bis 1945 war das Weinlager noch fast doppelt so groß.
Doch bei den erbitterten Straßenkämpfen in den letzten Tagen des 2. Weltkrieges wurde es genauso wie das Kurfürstenhaus schwer beschädigt. 1961/63 entstand schließlich das Nachbargebäude anstelle des Kurfürstenhauses. Der rückwärtige Klinkerbau erhielt, allerdings deutlich in der Frontlänge verkürzt, einen neuen Abschluss und wurde 1997 genauso komplett saniert wie das Wohn- und Geschäftshaus.