Im Jahre 1932 brachte der spätere Brandenburger Oberbürgermeister Max Herm seine Frau Mia zum Zug. Für sie ging es zur politischen Ausbildung nach Moskau. Er schubste sie geradezu in ihren Waggon. In einem Brief von 1937 aus dem KZ Lichtenburg entschuldigte er sich, dass er sich kühl und distanziert verabschiedet habe. Was er damals auch nicht wusste: Er sah seine Frau erst 1945 wieder.
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„Wut trifft auf Feminismus im Museum“, heißt die neue Kabinettausstellung im Rahmen der 36. Frauenwoche, die am Donnerstag eröffnet wurde. Die Mitarbeiterinnen des Stadtmuseums wählten Exponate der riesigen eigenen Sammlung aus, die auf Wut hindeuten. Es sind lästige Korsettstäbe, Kohlebügeleisen oder auch eine Uhr, deren radioaktiven und radiumhaltigen Leuchtziffern durch Frauen gezeichnet wurden. Es sind aber auch anonyme Gemälde unter den Namen „Mädchenbildnis“, „Unbekannte Dame“, „Porträt einer jungen Frau“ oder „Gipsrelief einer Dame“. Thematisiert wurde auch Gertrud von Saldern, von der, obwohl sie doch die Saldria gestiftet hatte, kein einziges Gemälde existiert.
Zur Umrahmung trat das Duo „Klaster-Royall“ mit Franziska Weiß (Gesang) und Ishlar Smolny-Thoms (Klavier) auf. In einem Song hieß es: „Wir stehen in der Küche und sind doof.“ Der Oberbürgermeister Daniel Keip war genauso erschienen wie die Gleichstellungsbeauftragte Jeannette Horn. Museumschefin Anja Grothe verwies auf drei Themenblöcke: Alltagsgegenstände, die „Galerie der Namenlosen“ und die historischen Frauen wie eben Mia Herm. Aber auch Königin Luise, die zur ablehnenden Haltung des Freiherrn von Stein meinte: „Er hält mich ohnehin für ein Weibchen, das sehr oberflächlich ist“. Ähnliche Probleme hatte Minna Marie Auguste Bielefeld (1866-1947), der bei eigenen Grabungen zwar hervorragende archäologische Funde gelangen, die aber vom Historischen Verein als „Buddelei“ abgetan wurden.
Die Ausstellung in der Orangerie und in einem Raum des Erdgeschosses ist noch bis Mitte Mai zu den normalen Öffnungszeiten des Stadtmuseums zu besichtigen. Hilfreich ist eine kleine Informationsbroschüre, die eine ganze Reihe interessanter Zeichnungen der Mitarbeiterin Jessica Hornung enthält.