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Klassenzimmer KarLi: Wo Fans brüllen, lernen Schüler zuhören

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 15.03.2026 / 18:01 Uhr von hvf
Für das Team der Ehrenamtlichen vom Klassenzimmer KarLi beginnt der Tag im Karl-Liebknecht-Stadion mit dem Sortieren der Arbeitsmaterialien. Moderationskarten, bunte Zettel, Marker – alles liegt bereit. In wenigen Minuten, um 9 Uhr, kommen die Schüler der 7. Klasse eines Potsdamer Gymnasiums. Die Teamlerinnen sind sich sicher: heute wird ein entspannter Tag. Das mag unter anderem daran liegen, dass die jungen Ehrenamtlichen bereits einige Erfahrung gesammelt haben. Svenja Katharina Fritsch, Blessing Kour, Tinko Raddmann und Yelena Pelz leiten heute den Antidiskriminierungs-Workshop direkt in den Räumen des Babelsberger Stadions. Für die vier ist es Routine. Für die Schülerinnen ein Ausflug, der Antidiskriminierung auf Augenhöhe vermittelt.
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Das Klassenzimmer KarLi ist ein außerschulisches Bildungsangebot der Stiftung SPI GB NL Brandenburg, in Kooperation mit dem SV Babelsberg 03 und dem Lernort Stadion e.V. Die Workshops richten sich an Schulklassen und Jugendgruppen aus Potsdam und dem Land Brandenburg. Für staatliche Schulen sind sie vollständig kostenfrei.

Dass ausgerechnet ein Fußballstadion als Lernort für das Thema Diskriminierung funktioniert, ist kein Zufall. Stadion und Fankurven sind besondere Orte: viele junge Männer, wenig Frauen, wenig Migrantinnen, dafür viel Emotion, Alkohol und das Prinzip "Wir gegen Die". Genau das macht sie zum Spiegel gesellschaftlicher Dynamiken.

Blessing, Svenja und Tinko sind drei der Gesichter hinter dem Angebot. Blessing kam über ihre Schulsozialarbeiterin Barbara Paech zum Projekt: „Ich wollte mich mehr in meiner Community beteiligen." Svenja stieß über ihr Seminarfachprojekt im Abitur dazu, bewusst mit einem nachhaltigen Ansatz: „Alle anderen haben Events geplant, wir wollten lieber etwas Nachhaltiges erschaffen." Tinko, als Babelsberg-Fan dem Fanprojekt ohnehin nah, wurde angefragt und sagte schnell zu: „Das hat gepasst."

Was alle drei an der Arbeit mit Jugendlichen schätzen, klingt ähnlich. Blessing sagt: „Das gefällt mir am meisten an der Arbeit mit Kindern – im Gegensatz zu Erwachsenen, bei denen ich immer das Gefühl habe, mich beweisen zu müssen." Tinko hat durch die Workshoptage gemerkt, dass er sich das Lehramt wirklich vorstellen kann. Für Svenja ist es die Arbeit auf Augenhöhe, die besonders Spaß macht.

Im Workshop selbst werden Grundlagen im Themenfeld (Anti-)Diskriminierung vermittelt: eine einführende Annäherung an Diskriminierungsformen im Alltag, bei der Arbeit, in der Freizeit und im Fußballstadion. Spielerisch erarbeiten die Schüler gemeinsam eine Definition, sammeln Diskriminierungsformen wie Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus und Antiziganismus und ordnen Fotos aus dem Stadionkontext ein. Wenn Alltagserfahrungen reflektiert werden, erzählen Schüler von Ereignissen aus der Schule, der Familie und Videos im Internet. Das Stadion wird zum Spiegel. Zum Abschluss geht es auf Stadionrallye, mit Karten für das nächste Spiel im Karl-Liebknecht-Stadion als großem Preis.

Das Angebot ist niedrigschwellig und nah an der heutigen Jugend. Der Workshop läuft durch die jungen Ehrenamtlichen auf Augenhöhe, Jugendsprache, Spaß und Lockerheit inklusive.

Das kommt an. Neben Klassen des Humboldt-Gymnasiums waren aus Potsdam bereits Schüler des Clara-Immerwahr-Gymnasiums, des Leibnitz-Gymnasiums und der Oberschule Theodor Fontane vor Ort. Auch das Bertolt-Brecht-Gymnasium aus Brandenburg an der Havel hat das Angebot bereits genutzt.

Das Klassenzimmer KarLi ist noch im Aufbau, weitere Workshopthemen sind in Entwicklung. Informationen zum Angebot und zur Anmeldung gibt es unter [schulsozialarbeit-in-potsdam.de/klassenzimmer-karli].

Bilder

Gewonnen: Für die Schüler gibt es ein Ticket für das nächste Heimspiel des FC Babelsberg 03.
Svenja Katharina Fritsch (links) und Blessing Kour (rechts) setzten auf den Austausch auf Augenhöhe.
v.l.n.r.: Tinko Raddmann, Svenja Katharina Fritsch und Blessing Kour
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