Alphonse de Vignoles ist es zu verdanken, dass viele Urkunden der Neustadt aus dem 15. und 16. Jahrhundert als von ihm gefertigte Abschriften überliefert wurden, die so in die viel spätere Arbeit des Stadthistorikers Otto Tschirch einfließen konnten. Der bedeutende französische Gelehrte, der von 1689 bis 1703 in der Havelstadt lebte, beschäftigte sich nicht nur mit der Geschichte des Domstiftes, sondern inventarisierte auch die Grabdenkmale des Doms und erarbeitete einen entsprechenden Lageplan. Von ihm stammen auch ein exakter Grundriss und Zeichnungen der damals noch vorhandenen Marienkirche. Außerdem verfasste er einen Aufsatz über die Grabinschriften in der St. Katharinenkirche.
Anzeige
Alphone de Vignoles war ein am 16. Oktober 1649 im Languedoc geborener Adliger, der wegen seines reformierten Glaubens 1685 nach der Aufhebung des Ediktes von Nantes seine Heimat verlassen musste. Zu dem Zeitpunkt hatte er bereits an verschiedenen europäischen Universitäten Mathematik, Naturwissenschaften und Theologie studiert. Seine Flucht führte ihn über Genf, Lausanne und Berlin nach Schwedt und Halle. 1689 kam er als Prediger der damals schon recht großen französisch-reformierten Gemeinde nach Brandenburg. 200 Hugenotten hatten hier eine neue Heimat gefunden. Ihre Gottesdienste fanden in der St. Johanniskirche statt.
Im Tauf- und Sterberegister der Gemeinde ist überliefert, dass ihm 1692 ein Sohn geboren wurde, der jedoch ein Jahr später bereits verstarb. Trotz eines Augenleidens war er unermüdlich tätig und durchwühlte geradezu die Archive. Dabei lobte er die Ruhe, die die Stadt ihm bot. Allerdings machte er sich durch seine Arbeit auch über die Stadtgrenzen hinaus einen Namen. So wurde er im Jahre 1700 Mitglied der gerade gegründeten Königlich-Preußischen Akademie der Wissenschaften. Folgerichtig siedelte er drei Jahre später, dem Ruf Friedrich I. folgend, nach Berlin in die Nähe des damaligen Observatoriums über, um astronomische Beobachtungen durchführen zu können.
Von 1712 bis 1721 war er dann auch noch Prediger der dortigen französisch-reformierten Gemeinde. Im Jahre 1727 wurde er Direktor der mathematischen Sektion der Akademie. Er starb am 27. Juli 1744 im hohen Alter von 95 Jahren in Berlin.