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Dorotheenhof - Von der Schifferkneipe zum Ausflugslokal

Historisches
  • Erstellt: 27.03.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Seit fünf Jahren müssen Ausflügler entweder wegen der geschlossenen Türen den “Dorotheenhof” hungrig hinter sich lassen oder aber auf der anderen Uferseite des alten Plauer Kanals im “Seeblick” einkehren. Nach etlichen Anläufen diese alte Ausflugsgaststätte nach der Wende wiederzubeleben, befindet sich die geschichtsträchtige Immobilie mittlerweile in Privathand und wird ausschließlich als Wohnhaus genutzt. An der Fassade steht heute noch “Gasthof zum Dorotheenhof, gegr. 1848 von Andreas Bittkow”. Das stimmt so allerdings nicht. Denn es war Christian Friedrich Schindelhauer, der sich schon drei Jahre zuvor Haus und Stall auf dem Grundstück errichtete. Das kleine Etablissement nannte er nach seiner Frau “Dorotheenhof”. Ob er jedoch in den ersten Jahren eine Schankerlaubnis hatte, ist unklar.
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Denn der ehemalige Schiffer war wegen Veruntreuung rechtskräftig verurteilt. Daher wurden seine Anträge auf eine Schankerlaubnis regelmäßig abgeschmettert. Auch die Idee, das Grundstück seiner Frau zu übertragen, brachte nichts, da auch sie in dem Gerichtsverfahren ihres Mannes involviert gewesen war. Zumindest konnte das Ehepaar seine 1842 gegründete Materialwarenhandlung von Plaue an den Kanal verlegen. Das Geschäft lief gut. Schließlich herrschte im Schleusenbereich reger Schiffsverkehr, konnten, die Schiffer so ihre Vorräte auffüllen. Ab wann eine Schifferkneipe hinzu kam, ist unklar.

In einer Gerichtsakte tauchte 1873 für Schindelhauer die Bezeichnung Gastwirt auf. Etwa zur gleichen Zeit übernahm sein Sohn Karl, der mit Friederike Bittkow verheiratet war, die Gastwirtschaft. Die Ehe blieb kinderlos. 1891 ging das Grundstück mit Gasthof und Materialwarengeschäft an den Schwager von Karl Schindelhauer, an Andreas Bittkow. Und der zog das Geschäft groß auf. Der Sommergarten wurde um eine Kegelbahn erweitert, es entstanden ein Eiskeller sowie 1910 erst ein kleiner und drei Jahre später ein großer Saal. Allerdings betrieb Bittkow die Gastwirtschaft nicht immer selbst. Von 1905 bis 1912 verpachtete er den “Dorotheenhof” an Wilhelm Regelin.

Andreas Bittkow betrieb zugleich zwei 1909 und 1937 gebaute Ausflugsdampfer – beide hießen “Dorothee” -, die die Gäste heranbrachten. Seit 1912 konnten sie auf der Seeseite eine Anlegestelle nutzen. Dort befand sich auch ein Kohlebunker. Andreas Bittkow starb 1923. In der Folgezeit entstand der Elbe-Havel-Kanal, wurde die Plauer Schleuse schließlich 1931 stillgelegt. Sein Sohn Willi baute den “Dorotheenhof” weiter zu einem Ausflugslokal aus und betrieb es bis zu seinem Tode 1951.

Tochter Dorothee erbte mit ihrem Mann Werner Korn die Ausflugsgaststätte. 1955 übernahm jedoch der Konsum den Betrieb. Das Ehepaar Korn startete 1972 eine dreijährige Sanierung, die viel Geld verschlang. Mit der Wende hatte Dorothee Korn wieder das alleinige Sagen. Doch 2005 musste sie die Immobilie veräußern. Nach einer umfangreichen Sanierung und Einbau von drei Ferienwohnungen startete im Mai 2015 ein Neuanfang. Doch nur fünf Jahre später endete das Kapitel "Dorotheenhof".

Bilder

Der „Dorotheenhof“ mit dem Dampfer Walter vor 1923. Foto: Archiv Alert
Das heutige Wohnhaus mit der Inschrift auf der Fassade des einstigen Ausfluglokals. Foto: Alert
In den 1920er Jahren besuchten viele Ausflügler auch den Außenbereich des Lokals. Foto: Archiv Alert
Nach der Sanierung Mitte der 1970er Jahre wurde die Gaststätte mit dieser Postkarte beworben. Foto: Archiv Alert
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