Fast 100 Jahre produzierte das heute am Bahntechnikerring gelegene Kraftwerk in Kirchmöser Wärme, Strom, Dampf oder auch Druckluft. Erst für die Pulverfabrik, dann für das Reichsbahnausbesserungswerk und zuletzt für die verschiedenen Bahnbetriebe sowie für zahlreiche Wohnungen. Doch im September 2011 war Schluss. Heute ist von der einstigen Wärmeproduktion nichts mehr zu erkennen, wurde alles demontiert. So verfallen die einstigen Produktionsgebäude, wobei die beiden großen Klinkergebäude seit der Wende unter Denkmalschutz stehen.
Anzeige
Teile des Kraftwerkskomplexes wurden wegen ihrer Wichtigkeit für die Pulverfabrik bereits im Sommer 1915 fertiggestellt. Kern der Anlage sind das Kessel- und das Turbinenhaus. Wichtig für den Betrieb sind auch der Hafen sowie die Kohlebunker. Denn Wärme, Energie oder auch Druckluft wurden durch zehn Kessel erzeugt. Die riesigen Mengen Kohle kamen zumeist per Schiff, aber auch auf dem Schienenweg. Direkt am Hafen lagen mehrere Kohlebunker. Die fahrbaren Greiferkräne schafften die Kohle zum Lagerplatz oder zur Brecheranlage.
Per einem gut 350 Meter langen Fließband, zum Teil unterirdisch und dann auch über die Straße führend, wurde die Braunkohle in das Kesselhaus befördert. Die zuletzt vier Kessel waren bis 1997 in Betrieb. Dann installierte die VIA Heizkraftwerke GmbH einen Kessel zur Verbrennung von Holzhackschnitzeln. Auch die wurden im Hafen angelandet und kamen über das Förderband zum Kessel. Proteste gab es, als bekannt wurde, dass schadstoffbelastetes Holz verbrannt werden sollte. Dafür gab es letztlich keine Genehmigung. Im Jahre 2005 meldete das Unternehmen Insolvenz an. Nun hatte die „Lanor Energy Systems Deutschland“ kurzzeitig das Sagen. Sie übertrug das Unternehmen 2006 an die Tochter Emvironmental Friendly Power (EFP). 2009 fiel das Kraftwerk an die bayerische Max-Aicher-Unternehmensgruppe. Doch auch die EFP konnte keinen stabilen Betrieb gewährleisten. So wurde die Produktion 2011/12 nicht nur eingestellt, sondern bis 2019 auch sämtliche Technik demontiert und anschließend veräußert.
Heute sind die zum Betrieb gehörigen Gebäude entkernt, auch wenn mittlerweile überall der Müll herumliegt. Ein kleiner Rest des einstigen Förderbandes ist zumindest noch zu erkennen. Der Stadt gehören der Hafen, die Kohlebunker und auch die einstige Beschickungsanlage.