Logo

Als im Sommer 1984 über dem Wusterwitzer See zwei Hubschrauber kollidierten

Historisches
  • Erstellt: 31.03.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Am 30. August 1984 heulten um 21.40 Uhr in Wusterwitz die Sirenen. Schnell war klar, dass ein Hubschrauber abgestürzt war. Letztlich waren es sogar zwei Mi2, die sich bei Dämmerlicht in der Luft berührt hatten. Beide Hubschrauber, die zum Fliegerhorst Briest gehörten, stürzten unweit des Zielrichterturmes der Regattastrecke in den See und beschädigten dabei sogar ein Segelboot. Die Piloten starben. Glück im Unglück war, dass die Hubschrauber auf dem See niedergingen und nicht auf dem nur einige Meter entfernten Zeltplatz, wo gerade ein Polterabend gefeiert wurde. Die dortigen Gäste hatten das Unglück verfolgt und um 21.34 Uhr die Rettungskräfte alarmiert.
Anzeige

In beiden Maschinen saß je ein Fluglehrer. Die „351“ mit Hauptmann Andersen Förster befand sich auf einem Streckenflug und Oberleutnant Henrick Fischer war mit „384“ in einer Kunstflugzone unterwegs. Die Mi2 verfügten nur über schwach leuchtende Positionslampen. Beide Maschinen hätten sich bei Einhaltung der Wendepunkte niemals begegnen dürfen. Bestraft wurden letztlich der Flugleiter und der Steuermann, die auf dem Tower in Briest anhand der Flugdaten die gefährliche Annäherung hätten bemerken müssen. Über Radar verfügte der Flugplatz nicht.

Die Wusterwitzer Feuerwehr rückte sofort mit 20 Mann aus. Aus der nahen NVA-Radarstation raste Major Manfred Sterz sofort mit einem B1000 zur Unfallstelle und sah noch, wie ein Hubschrauber gerade versank. Er tauchte, um den Piloten zu retten, doch das Kerosin behinderte ihn, zudem zog er sich eine Schnittwunde zu. Zumindest kannte man so den Standort einer Maschine. Die andere war jedoch verschwunden. Fieberhaft wurde nach der anderen Mi2 gesucht, sogar im nahen Wald. Hinweise der Polterabend-Gäste, auch die andere Mi2 sei in den See gestürzt, wurden ignoriert. Gegen 3 Uhr rückten die Feuerwehrmänner ab und überließen so dem Militär den Unfallort.

Hier hatte inzwischen Generalmajor Manfred Barthel vom Stab der Luftstreitkräfte das Sagen. Es wimmelte jetzt geradezu vor Soldaten, darunter auch das in Kirchmöser stationierte Pionierbataillon sowie Soldaten der in der Magdeburger Straße stationierten Hubschrauber-Ausbildungsstaffel. Taucher entdeckten letztlich etwa 100 Meter vom Zielrichterturm entfernt den zweiten Hubschrauber und darin auch die Leiche des zweiten Piloten. Ein Bergepanzer zog letztlich die Wracks aus dem See, die, durch große Planen vor neugierigen Blicken geschützt, per Tieflader abtransportiert wurden. Übrigens wurde in den 1990er Jahren durch einen Badenden noch ein Tragschraubenblatt entdeckt.

Tage später hielt man in der Kaserne in der Magdeburger Straße eine Trauerfeier ab. In Wusterwitz gab es noch ein kleines Nachspiel. Die Standesbeamtin forderte die Daten der beiden Piloten an, um Sterbeurkunden ausstellen zu können. Das wurde zwar erst verweigert, doch letztlich konnte sie die Urkunden ausstellen. Eine offizielle Verlautbarung zu dem Unfall gab es nicht.

Bilder

Die Mi2 war ein Hubschrauber, in dem im Normalfall ein Fluglehrer und ein Schüler Platz hatten.
Dieser Artikel wurde bereits 8.686 mal aufgerufen.

Werbung