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Fast 1000 Gefangene fanden im Quenzlager zwischen 1914 und 1918 den Tod

Historisches
  • Erstellt: 15.04.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Als Ende der 1970er Jahre beim Bau des Elektrostahlwerkes menschliche Knochen zum Vorschein kamen, wurden die Arbeiter damit beruhigt, dass es sich um den alten Friedhof von Neuendorf handelt. Das war gelogen. Denn es handelte sich um den Friedhof des Gefangenenlagers, das am Quenz von 1914 bis 1918 bestanden hat. Es war kein kleiner Friedhof, fanden hier doch mindestens 924 Bestattungen statt. Es waren vor allem Russen, die hier ihre letzte Ruhe fanden.
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Mit Kriegsausbruch 1914 wurde begonnen, das Lager auf dem Gelände der Ziegelei der Brüder Körting einzurichten. Im November gab es hier bereits 9000 Gefangene. Im Sommer 1915 waren es bereits 10.000 Männer, die hier auf das Ende des Krieges warteten. Zeitweilig stieg die Zahl sogar auf 14.000. Sie wurden von 1000 Landsturm-Männern bewacht. Vor Ort hatte ein Oberstleutnant das Sagen. Den Oberbefehl hatte ein General von Bonim. Die Gefangenen waren in Kompanien gegliedert, die jeweils von einem deutschen Feldwebel angeführt wurden.

Es waren vor allem zaristische Soldaten aus Russland, die hier lebten. Hinzu kamen einige hundert Franzosen und auch englische Matrosen, die nach der Versenkung ihrer Handelsschiffe gerettet und dann hierher gebracht wurden. Die Versorgung war auf das Minimum beschränkt. Daher waren alle froh, wenn sie in Arbeitstrupps abkommandiert wurden. In einem Büro in der Neuendorfer Straße konnten Gefangene von Landwirten oder Firmenchefs beantragt werden.

Vom Dezember 1914 bis Mai 1915 forderte eine Typhus-Epidemie viele Tote. Daher wurde auf einer fünf Hektar großen Weide ein Friedhof angelegt. Da hier vor allem Russen beigesetzt wurden, sprach man vom Russenfriedhof. Am Ende wurden hier aber auch 15 Franzosen, acht Engländer und sogar ein Japaner beigesetzt. Während es für die Russen einfache Holzkreuze gab, erhielten die Engländer Grabsteine aus schwarzem Marmor und der Japaner namens Kussakassa eine weiße Marmorsäule.

Im Mai 1916 wurde sogar ein fünf Meter hoher Obelisk mitten auf dem Gräberfeld errichtet. Bekrönt wurde er von einem russischen Doppeladler. Auf einer auf dem rechteckigen Unterbau angebrachten Tafel stand: „Hier ruhen russische und französische Soldaten. 21.5. 1916“. 1926 wurden die 15 Franzosen exhumiert und in die Heimat überführt. Vier Engländer folgten. Der Japaner wurde im Brandenburger Krematorium eingeäschert und kam anschließend in einer Urne zurück nach Japan.

1943 wurde der Friedhof eingeebnet, da die Arado-Werke die Fläche für eine neue Landebahn benötigten. Die wurde diagonal zwischen dem Brandenburger und dem Neuendorfer Werk angelegt. Auf der Betonbahn starteten bis Kriegsende im Werk hergestellte Düsenbomber.

Bilder

Der Obelisk mit dem russischen Doppeladler wurde 1915 eingeweiht. Foto: Archiv Alert
Das Lager am Quenz existierte von 1914 bis 1918. Foto: Archiv Alert
Auf dem Friedhof wurden etwa 900 Russen beigesetzt. Foto: Archiv Alert
Die englischen Gräber erhielten Grabsteine aus schwarzem Marmor. Foto: Archiv Alert 
Die Holzkreuze verschwanden 1943 wegen des Baues einer Startbahn für Arado. Foto: Archiv Alert
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