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Schlechte Stimmung wie seit Jahren nicht: Konjukturumfrage des Handwerks

Regionales
  • Erstellt: 16.04.2026 / 12:01 Uhr von Christiane Fuchs
In dieser Woche hat die Handwerkskammer Potsdam die Ergebnisse ihrer Frühjahrskonjunkturumfrage vorgestellt. Von 6000 angeschriebenen Handwerksbetrieben haben ein Zwölftel geantwortet. Ergebnis: Selten zuvor wurde die konjunkturelle Lage so schlecht bewertet, war die Hoffnung auf konjunkturelle Lichtblicke so gering wie im Frühling 2026.
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Robert Wüst, Präsident der Handwerkskammer Potsdam, der zusammen mit Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der HWK, die Ergebnisse präsentierte, sagte: „Die wirtschaftliche Lage vieler Handwerksbetriebe in Westbrandenburg ist ernst. Die Verunsicherung ist groß, die Nachfrage bleibt in vielen Bereichen zu schwach und gleichzeitig steigen die Sozialabgaben, Energiepreise und die Bürokratie weiter. Besonders problematisch ist, dass viele Betriebe Preissteigerungen bei Material und Vorleistungen nicht vollständig an ihre Kunden weitergeben können. Das schmälert die Erträge und bremst Investitionen. Verbraucher und Betriebe sind verunsichert. Solange es nicht gelingt, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen verlässlich zu verbessern und für mehr Planbarkeit zu sorgen, bleiben Nachfrage, Investitionsbereitschaft und Vertrauen schwach.“

Geschäftslage weiter eingetrübt
Der Geschäftsklimaindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die zukünftigen Erwartungen widerspiegelt, liegt aktuell bei 105 Punkten (Frühjahr 2025: 109 Punkte). 74,1 Prozent der Betriebe bewerten ihre Lage als gut oder zumindest befriedigend (Frühjahr 2025: 75,5 Prozent). Das ist der schlechteste Wert der letzten 10 Jahre.

Besonders das Bauhauptgewerbe geht von einer sehr problematischen Lage aus. Nur noch 66,2% der Betriebe schätzen ihre Lage als gut oder befriedigend ein. Im letzten Frühjahr waren es noch 81,3% der Betriebe.

Stark gesunken ist der Indexwert auch im Kraftfahrzeuggewerbe. Zwar liegt er mit 80,6% höher als im Durchschnitt, betrug jedoch im letzten Frühjahr 86,2%.

In den Bereichen Gesundheitshandwerk, personenbezogene Dienstleistungen und im Ausbaugewerbe ist der Geschäftsklimaindex leicht angestiegen. Einen stärkeren Anstieg kann nur das Nahrungsmittelgewerbe verzeichnen, hier stieg der Indexwert auf 80%, während er im Frühling 2025 noch bei 62,5% lag.

Weniger Aufträge, weniger Umsätze, weniger Investitionen
Unisono beklagen die Handwerksbetriebe eine rückläufige Auftragslage und schwächere Umsätze. Der durchschnittliche Auftragsvorlauf hat sich auf 8,9 Wochen verkürzt, im Frühjahr 2025 waren es noch 11,5 Wochen. Nur 12% der Betriebe berichten von gestiegenen Auftragseingängen. Über ein Drittel beklagt einen Rückgang.

Damit einher geht auch ein Umsatzrückgang. Fast die Hälfte aller Betriebe berichtet davon, nur 14% der Betriebe verzeichnet steigende Umsätze. Der Preisdruck, ausgehend von den Einkaufspreisen, ist gestiegen. Gleichzeitig konnten nur rund zwei Fünftel der Betriebe höhere Verkaufspreise durchsetzen. Das schlägt auch auf die Ertragslage durch: Rücklagenbildung oder Investitionen werden zunehmend schwieriger.

So berichten nur 12% der Betriebe von gestiegenen Investitionen, 44 % investieren weniger als im Frühjahr 2025. Damit hat sich die Investitionszurückhaltung verfestigt.

Unterschiedliche Erwartungen in Abhängigkeit vom Gewerk
Je nach Gewerk fallen die Geschäftserwartungen unterschiedlich aus. Während das Ausbaugewerbe, das Gesundheitshandwerk, die personenbezogenen Dienstleistungen sowie die Handwerke für den gewerblichen Bedarf etwas positiver in die Zukunft blicken, sind die Zukunftserwartungen im Bauhauptgewerbe, im Kraftfahrzeuggewerbe und im Nahrungsmittelgewerbe mit minus 3 bis minus 10 Prozentpunkten mehr als düster.

Im Durchschnitt rechnen 22 Prozent der Betriebe mit einer Verbesserung ihrer Lage, 56 Prozent mit einer gleichbleibenden Entwicklung und 22 Prozent mit einer Verschlechterung. Damit liegt der Saldo der Erwartungen im Frühjahr 2026 bei null Prozentpunkten, nach plus 3 Prozentpunkten im Vergleichswert des Vorjahres – für einen Jahresbeginn ein denkbar schlechter Wert.

Beschäftigung noch stabil
Noch schlägt diese Entwicklung nicht auf die Beschäftigung durch: „Dass die Beschäftigung vielerorts noch stabil gehalten wird, ist kein Zeichen für Entwarnung, sondern Ausdruck großer Verantwortung der Unternehmen“, führt Robert Wüst aus.

Allerdings ist schon jetzt im Bauhauptgewerbe ein Rückgang der Beschäftigung zu verzeichnen. Der Kostendruck sei hier einfach am höchsten. Preisgleitklauseln in den Verträgen könnten hier helfen, so eine Forderung der Handwerkskammer.

Die weiteren Forderungen der Handwerkskammer und ihrer Betriebe sind klar und haben sich im Vergleich zu den Vorjahren wenig geändert: weniger Bürokratie und mehr verläßliche planbare Rahmenbedingungen! „Das Handwerk braucht spürbare Entlastungen, schnellere Verfahren. Entscheidend sind unmittelbare konkrete Maßnahmen“, erklärt Robert Wüst. Eine Entlastung bei Kraftstoffen über einen Zeitraum von zwei Monaten sei dagegen ein Strohfeuer, man brauche längerfristige und grundsätzlichere Strategien.

Auch die Idee einer steuerfreien Prämie, die jedoch extra und zusätzlich zum normalen Entgelt zu bezahlen ist, sorge für den Eindruck, dass nunmehr die Unternehmen die Probleme lösen sollen, die man ohne die Eingriffe des Staates gar nicht hätte, so der Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig.

Mehr: [www.hwk-potsdam.de].

Bilder

(c) HWK/Konjunkturbericht
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