Zumindest der Name des Restaurants "Stern" – das Café musste nach Corona schließen - erinnert noch heute daran, dass man weit über 100 Jahre lang in der Plauer Ortsmitte im "Goldenen Stern" logieren konnte. Aber auch die Veranstaltungen im Saal waren legendär. Der Turnverein Plaue veranstaltete darin Maskenbälle, der Frauenverein gestaltete Theateraufführungen und die Kapelle des in Brandenburg stationierten Füsilierregiments Nr. 35 gab Konzerte. Selbst der Wusterwitzer Puppenspieler Götze oder der Naturapostel Gustav Nagel traten hier genauso auf wie der Zirkusdirektor Straßburger mit einem Hunde- und Affentheater.
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Nach 1740 soll sich in dem Gebäude eine Gaststätte etabliert haben. Zuvor diente das Haus von 1713 bis 1740 als Plauer Porzellanfabrik. Bis zur Eröffnung der Eisenbahnstrecke Berlin-Brandenburg-Magdeburg im Jahre 1846 dürfte sich der Gastwirt sicherlich nicht beklagt haben. Denn Fuhrleute und Reisende nahmen den Weg von Brandenburg über Plaue nach Magdeburg. Inhaber Karl Friedrich Wilhelm Schirmer setzte daher ab den 1860er Jahren verstärkt auch auf Veranstaltungen, um Gäste anzulocken.
1895 veräußerte er die Immobilie an Hermann Hertwig. Der war ein erfahrener Gastwirt, hatte er doch zuvor das Neustädtische Schützenhaus am Schützenworth in Brandenburg betrieben. In den Folgejahren verpachtete er allerdings die Hotelgaststätte, die er erst 1931 wieder selbst übernahm. Sein Sohn Max Hertwig erbte 1934 die Immobilie. Vier Jahre verpachtete er das Etablissement an Otto Tennstedt, der mit schattigem Garten, einer Kegelbahn, guter Küche und soliden Preisen, ehe er es dann selbst führte.
Nach dem Krieg versuchte Max Hertwig vor allem den Gaststättenbetrieb auszuweiten und zu modernisieren. Doch 1952 flüchtete Hertwig schließlich mit seiner Familie in den Westen. Nun übernahm die HO das Hotel, das nun langsam heruntergewirtschaftet wurde. In West-Objekte wurde bekanntlich kein Geld investiert. Zumindest war im Saal für einige Jahre das Kino untergebracht. Später beherbergte dieser eine Großküche.
Nach der Wende erhielt Familie Hertwig die längst leerstehende und verfallene Immobilie zurück und verkaufte sie an die Berliner Verwaltungsgesellschaft Johannes Habel. Im Jahre 1994 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Aufstellung eines Vorhaben- und Erschließungsplanes. In der Folgezeit wurden der "Goldene Stern" nebst benachbartem Wohnhaus abgerissen. Danach entstand das Wohn- und Geschäftshaus "Neuer Stern" mit Lebensmittelmarkt, Gastronomie, Wohnungen und Arztpraxen. Mittlerweile hat die Immobilie allerdings mit Leerstand zu kämpfen.