Der „Palast-Kiosk“ verleiht dem Kinder- und Jugenderholungszentrum Bollmannsruh geradezu großstädtisches Flair. Auch wenn die Verkaufsstelle eigentlich nur eine ganz profane Baracke ist, fallen dem Betrachter doch sofort die fünf Fensterscheiben auf. „Genau solche gab es auch im Palast der Republik“, weiß der Betreiber des KiEZ, der Geschäftsführer des Humanistischen Regionalverbandes Axel Krause. Da die Fensterscheiben bereits in den 1970er Jahren in das damalige Zentrale Pionierferienlager „Bruno Kühn“ kamen, sind es auf jeden Fall keine originalen Fenster aus dem 1973 bis 1976 errichteten Berliner Palast der Republik.
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Die bronzefarbenen, verspiegelten Fensterscheiben sind ein Produkt der belgischen Firma Glaverbel. Für Prestigeprojekte wie den Palast der Republik oder den Fernsehturm griff die DDR auch immer wieder auf Devisen zurück, um hochwertige Produkte aus dem Westen zu kaufen. Und Belgien war damals führend bei der Herstellung von doppelt verglasten Thermoglasscheiben.
Träger des Kinderferienlagers war übrigens das Stahl- und Walzwerk Brandenburg. Als Hans-Joachim Lauck 1970 Direktor des VEB Stahl- und Walzwerk Brandenburg wurde, schob er auch große Investitionen in Bollmannsruh an. Ihm ist es durchaus zuzutrauen, dass er irgendwie auch an die außergewöhnlichen Fenster herankam.
Als der Humanistische Regionalverband Brandenburg-Belzig das gesamte Lager als Pächter übernahm, wurde die Baracke mit den getönten Scheiben als Verkaufsstelle wiederbelebt. Während der Palast in Berlin 2006 bis 2008 abgerissen wurde, ließ ihn Axel Krause am Beetzsee wieder auferstehen. Bis heute werden hier Getränke, Zeitungen, Süßigkeiten oder auch Hygieneartikel angeboten. Auch, weil es weit und breit keine anderen Einkaufsmöglichkeiten mehr gibt.