Meine erste Begegnung mit der Malgruppe, die gemeinsam mit den Mitgliedern der offenen Schreibgruppe der Fouqué-Bibliothek in der großen Gemeinschaft des Brandenburger Kultursommers 2026 das gemeinsame Projekt „Bilder zu Buchstaben“ beackern werden.
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Oh, ich bin ja schon spät dran. Schnell zum vereinbarten Treff. Da sehe ich auch schon die Gruppe der Malerinnen am Steintorturm. Nahe der Sankt-Annen-Promenade, wartend auf die Einstimmung auf ihr Malobjekt. Auch ein Bollerwagen fällt mir auf, mit allen Utensilien, die man so braucht.
Gespannt hören nun alle von der Geschichte dieses wuchtigen Turmes. Dessen ockerfarbenen Backsteine heute in dem warmen Licht der Sonne von dem Stolz unserer alten Heimatstadt künden. Er bewachte den südwärtigen Eingang der alten Heerstraße in unsere Stadt. Wer ist hier wohl schon alles durchgekommen? Vielleicht die Bischöfe von Ziesar und Magdeburg. Die Quitzows genauso wie die Landsknechte des 30 jährigen Krieges, der erste Hohenzoller, wie auch die Soldaten Napoleons.
Nun sind die Malerinnen hier und wollen ihm mit ihrer Inspiration, Bleistift und Aquarell zu Leibe rücken. Einige nutzen noch schnell das Angebot einmal hinauf zu klettern, um den einmaligen Blick auf die pulsierende Stadt zu genießen. Ich bin hier um den Spirit beim Malen zu erspüren und aufzunehmen. Es ist nicht mehr Frühling aber auch noch auch noch kein Sommer. Es ist die Zeit dazwischen. Zeit der herb, leicht säuerlich duftenden Holunderblüten und des süßlichen Jasmins. Die Blätter der Bäume und Büsche der Sankt-Annen-Promenade, am schönsten aller Tortürme unserer Heimatstadt, prahlen geradezu mit ihrer üppigen Fülle und ihrem Grün wie lange nicht.
Ich genieße dieses Blühen, Gedeihen und dem Duften rings herum. Mein Gemüt ist voll Dankbarkeit für diese Pracht und unwillkürlich summe ich die Melodie des schönen Sommerliedes: „Geh aus mein Herz und suche Freud.“ Da macht es auch überhaupt nichts, dass nebenan Autos verkehren und die Straßenbahn hin und wieder vorbei rumpelt. Es sind ja die vertrauten Geräusche einer lebendigen Stadt, in der ich gerne lebe.
In dieser Stimmung geht es jetzt auf die andere Seite des Stadtkanals, von wo aus sich der Turm in seinem vollen mittelalterlichen Ebenmaß präsentiert. Gerahmt von quellenden Wolkenformationen und dem Stadtkanal, der mit seiner mit blühendem Holunder bewachsenen Landzunge und den gerade aufgebrochenen Seerosen einen besonders attraktiven Vordergrund bietet. Hin und wieder trägt der laue Wind diesen betörenden Duft der Holunderblüten herüber.
Das ist also der Ort, wo sich die Malerinnen mit dem vorgegeben Sujet auseinandersetzen werden. Gut haben sie ihn sich gewählt. Inzwischen hat jede von ihnen ihren Platz gefunden. Außer den beiden sehr jungen Malerinnen, die dicht neben ihren Großmüttern sitzen und ihre Omazeit genießen, haben sie viel Raum zwischen sich gelassen. Es scheint, jede will allein mit sich und dem Turm sein – mit ihm in den Dialog gehen. Die Kursleiterin verteilt die gerade nötigen Sachen: Papier, Bleistifte, Pinsel, Aquarellmalkästen und vor allem die Becher mit dem Tuschwasser.
Gelassen und unaufgeregt geht sie herum, schaut auf den Fortschritt des Kunstwerkes und gibt leise individuelle Hinweise. In dieser reizvollen Umgebung und der anregenden Malatmosphäre kann das Werk ja nur gelingen. Wir von offenen Schreibgruppe der Fouqué-Bibliothek wünschen den Malerinnen gutes Gelingen und uns interessante Anregungen.
Bitte beachten: Meldungen in der Rubrik "Leserbriefe" geben nicht die Meinung der Redaktion wieder, sie sind ein persönlicher Text des jeweiligen Verfassers. Einsendungen sind unter [info@meetingpoint-brandenburg.de] möglich.