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Daniel Keip nach 100 Tagen: Die besten Kapitel liegen noch vor uns

Aus der Stadt
  • Erstellt: 10.06.2026 / 18:01 Uhr von cg1/ant/rb
Seit dem 2. März ist Daniel Keip Oberbürgermeister von Brandenburg an der Havel. Heute ist er genau 100 Tage im Amt – und zieht eine positive erste Bilanz: Die Stadt habe großes Potenzial, vor allem wegen ihrer Menschen. Im Interview spricht er über den Start mit der Stadtverwaltung, erste sichtbare Fortschritte im Rathaus und darüber, warum er in Brandenburg an der Havel bewusst nah bei den Menschen sein will. Er ist aktiv auf Instagram und die Menschen treffen ihn beim Drop, dem ersten Rap-Festival auf dem Marienberg, oder an der Startlinie des ersten HavelMan-Triathlons. Meetingpoint hat exklusiv mit Daniel Keip über seine ersten 100 Tage gesprochen.
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Herr Keip, einhundert Tage im Amt – wie fühlt sich das an?
"Die ersten 100 Tage waren intensiv, spannend und vor allem sehr lehrreich. Man kann sich vieles vornehmen, aber die Realität eines Oberbürgermeisteramtes erlebt man erst, wenn man tatsächlich Verantwortung trägt. Ich habe in dieser Zeit unglaublich viele engagierte Menschen kennengelernt – in der Verwaltung, in Unternehmen, Vereinen und Nachbarschaften. Mein Eindruck ist: Brandenburg an der Havel hat enormes Potenzial und viele Menschen, die bereit sind, mit anzupacken. Das motiviert mich jeden Tag."

Was hat Sie rückblickend im Rathaus und in der Stadt am meisten überrascht?
"Mich hat positiv überrascht, wie viel Einsatzbereitschaft und Innovationsoffenheit in der Stadtverwaltung vorhanden sind. Gleichzeitig wurde deutlich, wie komplex viele Entscheidungen geworden sind und wie viele Herausforderungen Kommunen heute gleichzeitig bewältigen müssen. Die Bürgerinnen und Bürger sagen sehr klar, was ihnen wichtig ist – und das ist eine große Stärke."

Welche Projekte ließen sich schon auf den Weg bringen?
"Die ersten 100 Tage haben nicht ganz gereicht alle Herausforderungen sofort zu meistern. Aber in Sachen Grünanlagenpflege sind wir weitergekommen und stehen vor der Vergabe. Beim Tierheim haben wir direkt das Gespräch gesucht und sind auch dort in einem Verfahren, von dem ich annehme, dass wir wieder stärker über das Tierwohl und die Versorgung und weniger übereinander sprechen müssen. Besonders wichtig war und ist mir, den direkten Austausch mit den Menschen zu suchen und Themen anzupacken, die im Alltag spürbar sind – von Stadtentwicklung über Wirtschaft bis hin zur Lebensqualität in den Ortsteilen. Ich hoffe, dass das auch sicht- und spürbar wird."

Auf Instagram haben Sie die Brandenburger um Feedback zu den ersten 100 Tagen gebeten – wie kam das an?
"Sehr gut. Es gab viel konstruktives Feedback, Zustimmung, aber auch kritische Hinweise – und genau das wünsche ich mir. Politik darf keine Einbahnstraße sein. Wer Verantwortung übernimmt, muss auch zuhören können. Ich freue mich darüber, dass sich viele Menschen beteiligt haben. Das zeigt, dass Interesse an der Entwicklung unserer Stadt da ist und dass die Bürgerinnen und Bürger mitgestalten wollen."

Die Schonzeit ist vorbei: Was sind die nächsten „dicken Bretter“, die in der Stadt gebohrt werden müssen?
"Die großen Themen liegen klar auf dem Tisch: Infrastruktur, Brücken und auch der Zustand des Zentrumsrings, Wohnungsbau und Stadtentwicklung, wirtschaftliche Perspektiven, moderne Schulen und Hochschulen sowie eine leistungsfähige digitale Verwaltung. Konkret sind Projekte wie eine Buslinie zum Universitätsklinikum, die weitere Unterstützung der Ansiedlung bei Heidelberger Druckmaschinen, die Fertigstellung der Zahnklinik im alten Elektrizitätswerk gerade aktuell. Auch über die Frage von Bus und Bahn in der Region müssen wir sprechen und dabei nicht an den Stadtgrenzen haltmachen. Gleichzeitig müssen wir unsere Stadt trotz knapper Ressourcen fit für die Zukunft machen – digital, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Das sind keine Aufgaben für wenige Monate, sondern für die kommenden acht Jahre. Wichtig ist, dass wir dabei Schritt für Schritt sichtbar vorankommen."

Viele Brandenburger beschäftigt die wirtschaftliche Entwicklung. Wie wollen Sie Brandenburg an der Havel künftig aufstellen?
"Gerade in Zeiten globaler Unsicherheiten dürfen wir nicht abwarten, sondern müssen aktiv gestalten. Brandenburg an der Havel hat gute Voraussetzungen: eine starke industrielle Tradition, engagierte mittelständische Unternehmen, eine gute Lage und qualifizierte Fachkräfte. Unser Ziel muss sein, bestehende Unternehmen zu stärken und gleichzeitig neue Branchen anzuziehen. Was bei Heidelberger Druckmaschinen gelungen ist, also eine Neuansiedlung mit der Chance auf neue Industriearbeitsplätze, macht Mut.

Ich bin überzeugt, dass die Zukunft nicht entweder Industrie oder Dienstleistungen heißt, sondern beides. Wir brauchen moderne Produktionsunternehmen genauso wie starke Bereiche in Gesundheit, Bildung, Wissenschaft und Forschung, Verwaltung, Tourismus und digitalen Dienstleistungen. Entscheidend wird sein, attraktive Bedingungen für Investitionen zu schaffen und junge Menschen in der Stadt zu halten beziehungsweise für Brandenburg zu gewinnen."

Welche Begegnung der ersten 100 Tage ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?
"Es gibt viele. Besonders beeindruckend finde ich immer wieder die Menschen, die sich ehrenamtlich engagieren. Sie investieren Zeit und Energie für unsere Stadt, ohne dafür etwas zu erwarten. Bei der Übergabe der Spenden der Mittelbrandenburgischen Sparkasse an Vereine aus der Stadt habe ich das ganz besonders gesehen. Dieses Engagement ist ein Fundament unseres Zusammenlebens. Und was dabei an Kreativität, Begeisterung für unsere Stadt und Ideen gezeigt wird, beeindruckt mich an jedem Tag."

Wo soll Brandenburg an der Havel am Ende Ihrer Amtszeit stehen?
"Ich wünsche mir für das Ende meiner ersten Amtszeit eine Stadt, die wirtschaftlich stark, finanziell solide und gleichzeitig lebenswert für alle Generationen ist. Eine Stadt, auf die die Menschen stolz sind und in der junge Familien, Fachkräfte und Unternehmen gerne bleiben oder neu anfangen. Mein Ziel bleibt, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass wir Zuzug aus der Region, dem Umland und darüber hinaus haben. 85.000 Einwohnerinnen und Einwohner sind das Ziel. Denn damit sichern wir unsere Kitas, Schulen und Hochschulen, können weiter bei der Stadtentwicklung vorangehen und auch neu über die Zukunftsfragen nachdenken. Wenn wir dieses Ziel gemeinsam erreichen, haben sich die Anstrengungen gelohnt."

Was möchten Sie den Brandenburgerinnen und Brandenburgern nach den ersten 100 Tagen sagen?
"Vielen Dank für das Vertrauen, die Offenheit und die vielen Gespräche. Die ersten 100 Tage haben gezeigt, wie viel Potenzial in unserer Stadt steckt. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern Brandenburg an der Havel weiter voranzubringen. Die besten Kapitel liegen noch vor uns."

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