Gut 150 Jahre lang hatte die Speditionsfirma Taege ihren Sitz in der Steinstraße. Obwohl das Unternehmen stetig wuchs, war es immer in der Steinstraße 46/47 ansässig. Auf einem alten Dokument wirbt der Posthalter Taege für Fahrten von Brandenburg nach Berlin. Datiert ist es mit dem 22. Februar 1823. Bekannt ist das Gründungsdatum 1. April 1833 für den Betrieb, wohl durch den Lohnkutscher Martin Taege (1800-1883). Immerhin vier Generationen betrieben das Speditionsunternehmen.
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August Taege (1838-1904) führte die Spedition in zweiter Generation. Seine Frau ließ von 1902 bis 1904 das heutige Mietwohn- und Geschäftshaus mit dem Gewerbehof errichten. Dort befanden sich nun ein Möbel-Lagerhaus, Garagen, die Spedition sowie das Fuhrgeschäft. 1912 übernahmen die Söhne Kurt und Waldemar das Unternehmen. Bezeichnete sich August Taege noch als Fuhrherr, war sein Sohn Kurt nun Spediteur. Waldemar war für die Fahrschule zuständig. In den 1930er Jahren beschäftigte „Taege“ gut 60 Mitarbeiter. Da hatten schon längst Automobile die Kutschen verdrängt. Doch mit Beginn des 2. Weltkrieges wurden immer wieder Autos requiriert und mussten durch Pferde ersetzt werden.
1945 trieben Rotarmisten die 32 Taege-Pferde auf dem Trauerberg zusammen. Doch der Betriebsteilleiter Otto Wille holte sie heimlich zurück. So konnte das Speditionsunternehmen viele wichtige Transporte durchführen. Auf den Fuhrwerken und nach und nach auch auf den Ladeflächen von Autos kamen wichtige Nahrungsmittel in die Stadt. Trotzdem wurde Firmenchef Kurt Taege Anfang der 1950er Jahre verhaftet. Er hatte im Mai 1950 von einer westdeutschen Firma Wein bezogen und dann noch – ohne Genehmigung - einem Bauern aus Cammer ein Pferd für sein Fuhrunternehmen abgekauft.
Damit, so das Gericht, hatte er das Tier der Landwirtschaft entzogen. Er wurde zu 16 Monate Gefängnis und der Einziehung seines Vermögens verurteilt. Doch im Juni 1953 versuchte die DDR einzulenken. Am 12. Juni 1953 zogen die Taege-Mitarbeiter vor das Kreisgericht und forderten die Entlassung ihres Chefs. Am Abend wurde er schließlich auf freien Fuß gesetzt und konnte die Firma weiterführen.
Kurt Taege starb im März 1962. Seine Frau Gertrud übernahm zwar, hatte aber auch Otto Wille an ihrer Seite. Als auch sie 1968 starb, war Hans-August Taege zwar der Erbe, doch lebte er im Westen. So führte Otto Wille das Familienunternehmen, das 1972 in Volkseigentum überführt wurde. Als Betriebsteil des VEB Kraftverkehr arbeitete es noch bis Ende 1992. Im Juli 1996 erhielt die Familie die Immobilie zurück.