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Innerhalb von 190 Tagen entstand das Opelwerk am Silokanal

Historisches
  • Erstellt: 29.06.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Hans-Joachim Beckmann nennt einen Opel P4 sein eigen. In einem Schuppen fand der Beelitzer 1984 das Gefährt, das er erwarb und dann restaurierte. „Die Bezeichnung Ruine ist noch geschmeichelt“, so der heute 80-Jährige. Der gelernte Schlosser werkelte gut drei Jahre an dem Auto, das 1936 das Opelwerk verlassen hatte. Jedoch nicht das in Brandenburg, das 1935 am Silokanal errichtet worden war.
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Am 7. April 1935 war der erste Spatenstich erfolgt und am 18. November, also 190 Tage später, rollte der erste Opel vom Band. Jedoch kein Auto, sondern ein Lkw. Denn in Brandenburg wurde auf dem 850.000 Quadratmeter großen Betriebsgelände in der damals modernsten Lastwagen-Fabrik der Welt ausschließlich der Opel Blitz produziert. Der legendäre Transporter war ab 1930 im Sortiment von Opel. Grund für die deutliche Erhöhung der Stückzahlen war ein kurz zuvor erfolgter Großauftrag der Wehrmacht. Die Opel-Chefetage investierte 14 Millionen Reichsmark in den neuen Standort.

Bis dahin wurde der überaus robuste „Blitz“ in Rüsselsheim produziert. Da die Kapazitäten für den Opel P4 in Rüselsheim erschöpft waren, entschloss man sich die Produktion des Opel Blitz nach Brandenburg zu verlagern, um so Platz für den P4 zu gewinnen. Das Band und die Maschinen wurden am 16. Oktober 1935 in Rüsselsheim abmontiert und dann per Schnellzug in die Havelstadt geschafft.

Dort wurde in der 178 mal 136 Meter großen Halle alles wieder in kürzester Zeit zusammengefügt. Ein eigenes Kohlekraftwerk sorgte für Strom und Wärme. Vom Band liefen täglich 150 Lkw. Bis zum Kriegsbeginn 1939 gab es noch 1-, 1,5- und 3-Tonner der Marke Opel. Dann wurden nur noch die großen Lkw hergestellt. 1943 hatte das Opel-Werk 2486 Mitarbeiter, wobei der Anteil an Zwangsarbeitern stetig wuchs.

Das zwischenzeitliche Aus kam am 6. August 1944. Amerikanische Bomben zerstörten große Teile des Werkes. Außerdem starben dabei 32 Menschen. Bis Anfang 1945 war alles repariert. Im Mai 1945 erfolgte jedoch die Demontage durch die russischen Besatzer. Alles wurde in Kisten verpackt und in 48 Güterwaggons verladen, die Deutschland in Richtung Kaukasus verließen. Zugleich sprengte man den Großteil der noch vorhandenen Gebäude. Übrig blieb nach diversen Abrissen bis heute nur die einstige Kantine, die heute die Tischtennishalle und die Bowlingbahn der SG Stahl beherbergt. Aber auch die einstigen Werkswohnungen im heutigen Musikerviertel erinnern noch an das Opel-Werk.

Bilder

Das Opelwerk am Silokanal wurde innerhalb von 190 Tagen aus dem Boden gestampft. Foto: Archiv Alert
Die Werksfeuerwehr in Kirchmöser hatte auch einen Opel Blitz. Foto: Archiv Alert
Hier verlässt der 250.000. Opel Blitz das Werk. Foto: Archiv Alert
Hans-Joachim Beckmann und sein Opel P4 aus dem Jahre 1936. Foto: Alert
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