Wer in den vergangenen Wochen die Wildschwein-Meldungen auf Meetingpoint verfolgt hat, könnte denken: Die Tiere erobern Brandenburg an der Havel gerade neu. Manche sind vielleicht verunsichert, denn es heißt oft: Vorsicht ist geboten! Für Meik Fabian ist das kein Grund zur Panik, sondern eher ein realistischer Blick in die Natur vor der Haustür. Die Hinweise aus der Bevölkerung sind für den Jäger und Mitarbeiter der Unteren Jagdbehörde sogar wertvoll – für ihn sind sie so etwas wie ein “GPS-Tracker” für die Bewegungen der Tiere.
Anzeige
Meik Fabian beobachtet seit Jahren, dass Wildschweine und andere Wildtiere den urbanen Raum ganz selbstverständlich mitnutzen. Ruhe, Deckung und Futterquellen machen Stadt, Parks, Grünzüge und Friedhöfe für sie attraktiv. "Die Bezeichnung bei uns in der Jagd ist es der sogenannte Kulturfolger. Wie beim Fuchs, wie das Reh, wie der Steinmarder, das ist ein sogenannter Kulturfolger. Sie folgen den Menschen auf Schritt und Tritt", erklärt er.
"Die sind immer da, wo wir sind", beschreibt Meik Fabian weiter. "Das Hausschwein kommt ja auch nicht von hier. Das Hausschwein ist ursprünglich mal ein Wildschwein gewesen, das domestiziert und umgezüchtet wurde."
Nach Meik Fabians Einschätzung folgen Wildschweine in Brandenburg typischen Bewegungsachsen: entlang von Grünzügen, Bahnanlagen, Wasserläufen und anderen ruhigeren Verbindungen durch die Stadt. Straßen seien für die Tiere dabei nicht unbedingt Hindernisse, sondern eher Leitlinien. In der Dämmerung und nachts legen sie beachtliche Strecken zurück und nutzten dabei auch ungewöhnliche Wege, etwa über Kanäle oder durch dicht bebaute Bereiche.
Die Stadt ist für die Tiere nicht per se ein Risiko, solange sie nicht bedrängt werden. Besonders attraktiv sind Orte, an denen wenig Störung herrscht und ausreichend Versteckmöglichkeiten vorhanden sind - so zum Beispiel der Marienberg, wo erst kürzlich Schnappschüsse von Wildschweinen veröffentlicht wurden.
Meik Fabian warnt im Meetingpoint-Interview vor überzogener Angst. Wildschweine seien grundsätzlich nicht gefährlich, solange Menschen sie nicht in die Enge treiben oder provozieren. Bislang habe es in Brandenburg an der Havel nach seiner Kenntnis keine schwerwiegenden Vorfälle mit Wildschweinen gegeben. Lediglich ein in den Medien bekannt gewordener Fall sei ihm bekannt, bei dem im Bereich Plaue ein Hund von Wildschweinen angegriffen worden sei.
Hundebesitzer sollten besonders aufmerksam sein, sagt Meik Fabian im Interview. Hunde könnten von Wildschweinen als Bedrohung wahrgenommen werden, weshalb die Tiere in solchen Situationen deutlich schneller reagieren könnten als gegenüber Menschen. Wer mit dem Hund unterwegs ist, sollte deshalb Abstand halten, die Tiere nicht aufscheuchen und den Hund möglichst kurz anleinen, wenn Wildschweine in der Nähe sind. Wichtig sei vor allem, ruhig zu bleiben und die Begegnung ohne Hektik zu beenden.
Sein Rat an alle Bürger ist klar: Abstand halten, Tiere nicht bedrängen und schon gar nicht füttern. Wer ein Wildschwein sieht, sollte die Situation möglichst vermeiden und nicht auf Konfrontation gehen. Panik oder hektisches Nachlaufen seien genau das Falsche, weil sie die Tiere zusätzlich verunsicherten.
Besonders interessant ist Meik Fabians Blick auf die vielen Hinweise der Meetingpoint-Leser. Für ihn liefern diese und andere Meldungen aus sozialen Medien und von Anrufern ein Lagebild, mit dem er Bewegungen der Tiere besser einschätzen kann. So erkenne er, aus welchen Bereichen die Wildschweine gerade kommen und wohin sie vermutlich weiterziehen. Gleichzeitig macht er klar: Eine exakte Bestandszahl gibt es nicht. Wildschweine werden nicht in einem öffentlichen Zählsystem erfasst, sondern nur geschätzt. Umso wichtiger sind Erfahrungswerte, Ortskenntnis und die enge Zusammenarbeit mit Polizei, Feuerwehr, Krugpark, Veterinäramt oder Naturschutzbehörde.
Meik Fabian ist nicht nur Jäger, sondern auch der einzige Falkner der Stadt und seit 2018 bei der Unteren Jagdbehörde tätig. Geboren und aufgewachsen in Brandenburg an der Havel, kam er über verschiedene Verwaltungsstationen schließlich in die Jagdverwaltung. Den Jagdschein machte er 2021, um in Einsatzlagen auch praktisch handeln zu können.
Meik Fabian verbindet rechtliche Klarheit mit praktischem Wildtierwissen. Ihm geht es nicht um spektakuläre Einsätze, sondern darum, Natur und Tiere in der Stadt möglichst unaufgeregt und fachgerecht zu behandeln. Sein Credo dabei: Die Natur soll Natur bleiben – “Lasst sie einfach in Ruhe!”