Seit 115 Jahren fährt die Straßenbahn in Brandenburg elektrisch. 16 offene Motorwagen – ohne Außenschiebetüren - wurden dafür im Jahre 1911 von der Waggonfabrik „Gottfried Lindner“ aus Ammendorf bei Halle geordert. Vor allem für die Überlandfahrt nach Plaue und für die Außenlinie Görden wurden bereits 1912 geschlossene Triebwagen geliefert. Darunter war auch der Triebwagen Nr. 30, die heutige Traditionsstraßenbahn. Diese hatte 16 Sitz- und 39 Stehplätze und war bei den Passagieren vor allem im Winter sehr beliebt. Denn die vier Außentüren hielten Wind und Kälte draußen.
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Im Jahre 1945 wurden die Straßenbahnen wegen der Fliegerangriffe und des Beschusses heranrückender Sowjetsoldaten dezentral über das gesamte Stadtgebiet verteilt. Triebwagen 30 stand am Hauptbahnhof und wurde dort von einer Granate getroffen, die aber nicht explodierte. Nach einer Grundinstandsetzung Ende der 1950er Jahre kam dann Ende 1977 trotzdem aufgrund neuer Bestimmungen das Aus für den Fahrgastverkehr. Zwei Zweierzüge fuhren am 31. Dezember 1977 zum letzten Mal zum Görden. „Heute letzter Einsatztag“ prangte an den Seiten von zwei Lindner-Triebwagen. Sie waren die letzten ihrer Art in Brandenburg.
Zumindest als Rangier- und Arbeitstriebwagen wurde der „Lindner“ nun noch genutzt. 1980 schien dann das Ende gekommen zu sein. Der Wagen wurde aber erst 1982 endgültig ausgemustert, da er noch zwei Jahre der Gleisbauabteilung diente. Von 1984 bis 1986 wurde der Oldtimer dann jedoch aufgrund einer Initiative von Straßenbahn-Enthusiasten um Jörg Schulze durch die Verkehrsbetriebe neu aufgebaut und dient diesen seitdem als Traditionswagen 30. Der Beiwagen wurde dagegen damals verschrottet. Die neuerliche Jungfernfahrt fand am 11. Juni 1986 statt. Heute ist der Triebwagen 30 der einzig erhaltene „Lindner“ aus der Anfangszeit. Er wird zu Sonderfahrten eingesetzt und kann auch gechartert werden.