Als Bundeswirtschaftsminister wollte Otto Graf Lambsdorff um 1980 in Brandenburg übernachten, um nach einem Gottesdienstbesuch im Dom weiter nach Leipzig zur Messe zu fahren. Sein Büro fragte in der Stadt an und die Antwort war: „In der Stadt gibt es kein Hotel“. Daraufhin schlug Lambsdorff den „Bären“ vor. Doch der sei nicht fein genug für ihn, antwortete wiederum die Stadt. Doch wenn er darauf bestehe, werde man das Hotel komplett räumen und ihm dann zur Verfügung stellen. Lambsdorff verzichtete daraufhin, schlief in Potsdam und war pünktlich um 10 Uhr zum Gottesdienst im Dom.
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Otto Graff Lambsdorff hatte ein ganz besonderes Verhältnis zum Dom. Am Kaisergeburtstag, am 27. Januar 1941, wurde er in der hiesigen Ritterakademie eingeschult. „Meine drei schönsten Jahre“, sollte er sich später erinnern. Die Zöglinge erfuhren eine harte und spartanische Erziehung. Um die 60 Jungen lebten damals im Internat, das im Nordflügel des Doms untergebracht war. Unterrichtet wurde zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits in der Saldria. Sein Abitur machte der spätere FDP-Bundespolitiker hier aber nicht, da er mit 17 Jahren, 1944, in den Krieg ziehen musste. Wenige Wochen vor dem Kriegsende verlor er in Thüringen bei einem Tieffliegerangriff ein Bein. Sein Stock wurde sein Markenzeichen.
Nach 1945 war er immer wieder privat in der Stadt zu finden. So besuchte er beispielsweise seinen ehemaligen Deutschlehrer Herbert Runge. Als er im „Ratskeller“ speisen wollte, wurde er in das „Blaue Zimmer“ komplimentiert. Um einen Aufruhr zu vermeiden, mussste sein Chauffeur die Limousine Am Huck parken, wo sie von Volkspolizisten bewacht wurde. Im Februar 1990 war er dann wieder, nun ganz offiziell, im Altstädtischen Rathaus zu finden, als er bei einer Wahlveranstaltung auftrat.
Bis dahin hatten sich die Zöglinge der Ritterakademie alle zwei Jahre im Westteil Deutschlands getroffen. Lambsdorff sorgte dafür, dass diese Treffen ab 1991 in Brandenburg stattfanden. „Als ein Zögling vorschlug uns wieder woanders zu treffen, bekam er fast Klassenkeile“, so Otto Graff Lambsdorff im Jahre 1995. Er initiierte in diesem Jahr die Gründung des Dom-Fördervereins und war bereits ab 1993 Domherr. Otto Graff Lambsdorff starb am 5. Dezember 2009. Ende dieses Jahres wäre er 100 Jahre alt geworden. Auf seinen Wunsch hin fand seine Trauerfeier im Brandenburger Dom statt. Beigesetzt wurde er in der Familiengrabstätte in Stahnsdorf.