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Seit über 100 Jahren steht das Peucker-Sommerhaus auf Kiehnwerder

Historisches
  • Erstellt: 27.07.2026 / 20:01 Uhr von Marcus Alert
Brandenburgs größte Insel, Kiehnwerder, beherbergt heute nicht nur drei Zeltplätze, sondern auch das hübsche Sommerhaus der Familie Peucker. Seit über 100 Jahren befindet sich die kleine Villa im Familienbesitz. Das Haus ist ein Relikt aus der Zeit, als die Brandenburger hinaus ins Grüne drängten. Nachdem die Bauplätze am neuen Gränert vergeben waren, warf man den Blick auf Kiehnwerder. Die Bauern aus Kirchmöser nutzten das dortige Gras und Röhricht. 1907 und 1910 erwarben schließlich die Familien Apelt, Rückert, Gumpert und Peucker erste Parzellen.
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In den 1920er Jahren standen auf 20 Parzellen immerhin 30 Wochenendhäuser. Der Mittelschullehrer Hermann Peucker erwarb ein zwei Hektar großes Grundstück. Auf dem höchsten Punkt der damals weitgehend kahlen Insel errichtete er 1911 das Sommerhaus und verbrachte in der Folgezeit jeden Sommer mit seiner Frau und den fünf Kindern auf der idyllischen Insel, die bis heute über keinen Strom, kein Trinkwasser und kein Abwasser verfügt. Daher ließ sich Hermann Peucker noch 1910 einen 14 Meter tiefen Brunnen bohren. Groß wurde hier der 1910 geborene Erwin Peucker, der später als Ingenieur in der Nordhäuser Maschinenfabrik den Normag-Schlepper NG 22 konstruierte.

Am 2. August 1948 brannte es auf der Insel. Das Inselhaus der Peuckers war davon jedoch nicht betroffen. Viel mehr stand da schon nicht mehr auf Kiehnwerder, da die anderen Häuser im und nach dem Krieg geplündert und wegen der Baumaterialien auch abgetragen worden waren. Während ein Großteil der Familie Anfang 1949 in den Westen verschwand, blieb Erwins sieben Jahre ältere Schwester Ilse in Brandenburg, wo sie im Krankenhaus arbeitete, und das Haus so in Familienhand.

Seit den 1950er Jahren macht der Peucker-Clan – auch der 2006 verstorbene Erwin - auf der Insel regelmäßig Urlaub. Immer mit dabei natürlich auch Ilse, die am 19. April 1993 dort auch starb. In einem Zeitungsbericht ist nachzulesen, dass die fast blinde 90-Jährige an jenem sehr kalten Tag den Aschekasten entleeren wollte. Da sie jedoch ihre Brille vergessen hatte, verirrte sie sich und wurde nach intensiver Suche erst am 24. April eher zufällig auf der anderen Seite der Insel tot aufgefunden.

Bilder

Das Peucker-Sommerhaus im Jahre 1950. Foto: Privat
Die einst kahle Kuppe von Kiehnwerder war vor 75 Jahren schon etwas bewaldet. Foto: Privat
Heute ist das Haus im dichten Wald kaum zu entdecken. Foto: Alert
Das Äußere des Sommerhauses hat sich kaum verändert. Foto: Alert
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