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Fünf Fragen - Fünf Antworten mit Torsten Gränzer

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Interview

Erstellt: 14.09.2019 / 13:08 von Marvin Zinke

Jede Woche wird in der Meetingpoint-Reihe "Fünf Fragen - Fünf Antworten" ein Brandenburger interviewt. In dieser Woche ist es Torsten Gränzer. Der Musiker und Autor berichtet, wie seine ersten Begegnungen mit der Musik in der DDR waren (inklusive der Androhung vom Jugendwerkhof), warum eine Live-Veranstaltung dem Netflix-Zapping überlegen ist und wie er zur Autorentätigkeit kam. Darüber hinaus spricht Torsten Gränzer über die Kunst in der Havelstadt und was er hier noch vermisst.

1. Angefangen mit der Musik hast du in der DDR – Verlief alles ohne Probleme oder gab es Einschränkungen?
Für Randgruppen, zu denen ich mich als damaliger Rock- und Metal-Fan zählte, war es mitunter schon weniger gemütlich in der DDR. Mit 15 Jahren begannen zwei Schulkumpels und ich in einem Keller in Hohenstücken auf einem alten tschechischen Schlagzeug und mit akustischen Gitarren aus Herrn Artls Musikladen, in die wir zum Verstärken RFT-Mikrofone einbauten und sie dann über einen Kassettenrecorder „verzerrten“, zu musizieren. Natürlich gab das Stress mit den Nachbarn, aber trotzdem bekamen wir - wegen der Jugendförderung - sogar die Genehmigung, zwei Stunden am Tag direkt und nun viel gemütlicher in der Plattenbauwohnung musizieren zu dürfen, inklusive Schlagzeug und allem. Unsere Texte waren recht kritisch, handelten von unserer Unzufriedenheit, der Enge in Schule, Land und Familie, was nicht verborgen blieb. Für unsere auch abseits der Musik oft recht offenen Worte bekamen wir „Jugendwerkhof“ - den DDR-Kinderknast - angedroht und ich selbst wurde im Wehrkundeunterricht körperlich gezüchtigt, was dann doch schon irgendwie prägte. Wir durften nirgendwo auftreten, Schulverweise rissen uns schließlich auseinander und beendeten die gerade noch erhoffte Musikerkarriere recht abrupt, so dass ich das erste Konzert dann erst nach der Wende spielte - 1994 mit einer Punk-Kapelle im Jugenklubhaus „Philipp Müller“...

2. Du bist Musiker und Autor – wie kam das zustande / warum passt das so gut?
Seit frühester Kindheit bin ich musikbegeistert, benutzte sie damals als Seelentröster und Wachmacher, als Zugang zu meinen Gefühlen und auch, um aus Texten zu lernen. Ich habe Radio-Sendungen mitgeschnitten oder von Kassetten und Tonbändern überspielt, habe an für mich besonderen Tagen im Kunstkabinett Platten gekauft und im besten Fall konnte ich sogar - wenn dann doch mal ein West-Zwanziger von der Großtante den Weg über die Mauer gefunden hatte - im Intershop ein Vinyl meiner Helden ergattern. Ich mochte Musik mit Aussage und jeglicher Art von Seele und Energie, völlig egal, ob sie nun von Rockhaus, Queen, Rage oder Udo Jürgens kam. Als Kind schon habe ich Geschichten und Gedichte geschrieben, die dann irgendwann zum textlichen Inhalt von Kompositionen wurden - wobei ich mich selbst nicht mal als Musiker bezeichnen würde, sondern eher als Interpreten der eigenen Gedanken- und Gefühlswelt. Ob das gut zueinander passt, entscheidet letztendlich das Publikum. Inhaltlich und menschlich geht es mir mit den Projekten, in denen ich zurzeit unterwegs bin, aber wirklich sehr gut.

3. Ist die künstlerische Szene für dich in Brandenburg an der Havel attraktiv? Gibt es viele interessante Leute mit denen du gern Projekte durchführen würdest?
Die künstlerische Szene in Brandenburg ist sehr attraktiv und hat, wenn die Beteiligten es wirklich wollen, viele Möglichkeiten, wobei mitunter die Frage der Finanzierung in vielen Fällen eine entscheidende sein kann. Erstmal aber geht es immer um neue Ideen, die Begeisterung dafür, das Herzblut für die Sache und eben das konsequente Tun an sich. Wenn das vorhanden ist, können wir viel erreichen, wenn nicht, dann ist es von vornherein zum Scheitern verurteilt. Bei mir zumindest ist aus jedem Scheitern etwas Neues entstanden, was mich immer weitergebracht hat und ich zum Teil auch Brandenburger Künstlern zu verdanken habe, deren Weggefährte ich sein durfte. Natürlich lohnt es sich zudem auch, den Blick über die Stadt- oder Landesgrenzen hinaus zu richten, um den eigenen Horizont zu erweitern. In unserer Stadt gibt es erfreulicherweise viele Menschen, die künstlerische Begabungen und Fähigkeiten haben, auch wenn nicht alle sie nach außen tragen. Ich persönlich bin noch lange nicht am Ende meiner Wünsche und kann mir noch vieles vorstellen. Wenn sich unterschiedliche Stilrichtungen in der Musik begegnen oder auch genreübergreifende Projekte mit verschiedenen Gewerken wie Malerei, Grafik, Schauspielerei, Tanz, Videokunst oder Fotographie entstehen, finde ich das sehr interessant. Eine weitere, sehr reizvolle Idee und ein großer Wunsch wäre ein gemeinsames Projekt mit den wundervollen Symphonikern unserer Stadt...

4. Aktuell fand der Kultursommer auf der Freilichtbühne statt – wie findest du diese Idee und warst du vor Ort?
Momentan habe ich recht viel zu tun und konnte daher nur für eine Veranstaltung den Berg erklimmen. Ein weiterer Grund ist, dass ich als freier Autor und Künstler nicht immer und unbedingt gut bezahlt bin - was auch ein gesellschaftliches Thema ist, das mir sehr am Herzen liegt. Ich finde zum Beispiel die Praktiken, zu Veranstaltungen zwar oft und zu Recht Ermäßigungen für Rentner und Studenten zu gewähren, aber kaum Alternativen für die vielen Geringverdiener und Sozialhilfeempfänger anzubieten, überdenkenswert. Wir vergessen diese Menschen und das macht mich sehr betroffen. Anspruchsvolle Kultur sollte aus meiner Sicht jedem Menschen zugänglich und nicht elitär sein. Aber, um zur Frage zurückzukommen, grundsätzlich empfinde ich den Kultursommer als eine sehr gute Idee, die Brandenburg möglicherweise als Kulturstadt auch überregional noch bekannter werden lassen kann. Die Kombination zwischen dem, was die Stadt selbst künstlerisch zu bieten hat, und namhaften Gästen von außerhalb, empfinde ich größtenteils als gelungen. Es gibt schon eine ganze Weile einige gute Ansätze in diese Richtung. So habe ich beispielsweise in den vergangenen Jahren das Jazzfest sehr gerne besucht, von dem ich heute hoffe, dass es bald wieder zu seinem alten Charme zurückfindet...

5. Gibt es aus deiner Sicht Möglichkeiten für Künstler jeglicher Art sich in der Havelstadt zu präsentieren? Wo siehst du Künstler in Brandenburg auf der Bühne und wo würdest du Sie noch gern sehen wollen?
Es gibt viele schöne Veranstaltungsorte in der Stadt, auch welche, die man vorübergehend dafür herrichten kann, wie es beispielsweise der Kleinkunstverein mit dem „Heimwerts-Festival“ immer wieder eindrucksvoll zeigt. Sicher ist nicht jeder Ort für alle Art von Kunst geeignet, aber immerhin finden wir meistens Plätze, an denen wir sie gestalten können. Das Bürgerhaus in der Altstadt beispielsweise ist ideal für kleinere Konzerte und Ausstellungen gleichermaßen, wo auch immer wieder interessante Künstlerinnen und Künstler Station machen. Es gibt eine Kneipenkonzert-Kultur und wir haben in der Innenstadt mehrere für Veranstaltungen geeignete Kirchen, aber auch die kurzen Reisen zu den Gotteshäusern in Wust oder Radewege sind meistens sehr lohnenswert, wenn dort Konzerte stattfinden. Dies alles gilt es aus meiner Sicht weiterhin zu erhalten und darüber hinaus vielleicht noch ein wenig mehr zu unterstützen, manchmal auch vom Publikumszuspruch her. Ich wünsche mir Offenheit und Interesse abseits der Mega-Events und -Stars. Als vor einiger Zeit wirklich beeindruckende Künstler wie Thomas Oliver aus Neuseeland oder die Small Time Giants aus Grönland vor jeweils nur einer Handvoll Leuten im „Haus der Offiziere“ aufgetreten sind, fand ich das Desinteresse schon traurig, denn an eine Live-Veranstaltung, in der man Menschen begegnen, seinen Gefühlen nahe sein und im Nachhinein noch zusammen den ein oder anderen Gedanken austauschen kann, kommt kein Netflix ran. Seit einiger Zeit sehe ich in Brandenburg aber auch wieder einen sehr positiven Trend, in dem die Veranstaltungen besser angenommen werden. Das freut mich sehr und ich wünsche mir für all meine künstlerischen Kolleginnen und Kollegen in der Stadt und für diejenigen, die mitunter auf weiten Wegen hierher finden, dass das so bleibt - natürlich auch für mich selbst, denn ich freue mich sehr darauf, am 2. November gemeinsam mit Katharina Burges und Göran Schade am Brandenburger Theater endlich wieder eine Bühne in meiner Heimatstadt zu betreten.


Tipp: Nächstes Konzert in Brandenburg:
Burges | Gränzer | Schade: „Jenseits schillernder Welten“
(2. November, 19.30 Uhr in der Studiobühne des Brandenburger Theaters)
Infos: [www.torsten-graenzer.de]



PS: Wer soll hier demnächst interviewt bzw. vorgestellt werden? Mailt eure Vorschläge an [info@meetingpoint-brandenburg.de]

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Bilder


  • Bild: Ronja Loreena

  • Bild: Daniel Mikulla

  • Bild: Ronja Loreena

  • Bild: M. Müller


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