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Wenn die Stammzellen weiter verreisen als man selbst: Spenderin Kristin Neubauer erzählt von ihren Erfahrungen

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Interview

Erstellt: 13.02.2020 / 18:00 von jes/cg1

Samstag findet die große DKMS-Typisierungsaktion für die an Leukämie erkrankte Brandenburgerin Frances im von Saldern-Gymnasium statt. In der Zeit von 11 bis 15 Uhr gibt es die Möglichkeit sich vor Ort registrieren zu lassen, Geld zu spenden oder auch das Rahmenprogramm zu erkunden. Der Einlass in die Schulaula erfolgt ab Punkt 11 Uhr. Besucher werden gebeten, die Parkplätze am Wiesenweg zu nutzen. Von 11:15 bis 11:45 Uhr tritt der Brandenburger Singer / Songwriter Christopher Schuh auf. Schirmherrin Dr. Dietlind Tiemann (MdB) spricht um 12 Uhr Grußworte.

Es gibt ein Rahmenprogramm mit Kinderschminken, Torwandschießen, Bobby Car fahren, einer Malecke und auch eine Feuerwehr kann besichtigt werden. Für das leibliche Wohl ist dank vieler Unterstützer und Sponsoren gesorgt. Das Marienbad hat noch eine Überraschung für alle Besucher parat – 1.000 Gutscheine die vor Ort ausgegeben werden.

Unter dem Motto „Frances will leben“ appelliert Mutter Manuela Wichterei an die Brandenburger: „Nur eine Stammzellspende kann den Blutkrebs besiegen. Wir möchten, dass Frances ihr Leben in vollen Zügen genießen kann! Daher rufen wir die Menschen, die noch nicht bei der DKMS registriert sind dazu auf, sich am Samstag typisieren zu lassen. Die bisherige Unterstützung in der Stadt überwältigt uns enorm und gibt uns Hoffnung“.

Viele Fragen, die das Helferteam erreichen sind auch Fragen zur Stammzellspende selbst. Da es immer noch viele Unsicherheiten diesbezüglich gibt, hat Stefanie Doss von der DKMS die Brandenburger Stammzellspenderin Kristin Neubauer (43 Jahre, Ingenieurswissenschaftlerin der Physik) interviewt.

Stefanie Doss (DKMS): Wann und warum hast du dich registriert?
Kristin Neubauer (Stammzellspenderin): Registriert bin ich bereits seit 20 Jahren. Mein damaliger Arbeitgeber im Stuttgarter Raum hat jedes Jahr einen Teil des Umsatzes für verschiedene soziale Zwecke verwendet, anstatt Werbegeschenke an Weihnachten zu verschicken. Er hat für alle, die sich registrieren lassen wollten, die Kosten von damals 100 Euro übernommen. Der Anlass dafür war ein Leukämiefall im Umkreis der Firma.

Wie wurdest du kontaktiert und was war deine Reaktion?
Erstmals kontaktiert wurde ich per Mail, später auch per Brief und Telefon. Ich dachte zuerst, wow – ich bin womöglich eine Chance auf Heilung für jemanden auf der Welt. Man registriert sich zwar genau zu diesem Zweck, aber ist dann trotzdem verblüfft, wenn es Realität wird. Natürlich wäre es noch besser gewesen, wäre der Mensch gar nicht erst erkrankt, aber das liegt nun einmal nicht in unserer Macht.

Was passierte nach dem ersten Kontakt zur DKMS, ob du als Spender zur Verfügung stehst?
Beim ersten Telefonat wurde ich erst einmal gefragt, ob ich immer noch bereit für eine Spende wäre und ob ich gesund sei. Einige wichtige gesundheitliche Fragen wurden bereits dort schon abgefragt und über die möglichen Entnahmearten aufgeklärt. Danach bekam ich ein Set für eine Blutentnahme beim Hausarzt, um eine Bestätigungstypisierung durchführen zu können.

Was passierte bis zum Tag X?
Zuerst einmal passierte mehrere Monate nicht sehr viel. Letztlich hängt ja alles vom Therapieverlauf des Patienten ab. Im November wurde die tatsächliche Spende spruchreif. Es sollte also eine periphere Stammzellenentnahme aus dem Blut werden, so wie in 80 % der Fälle. In einem langen Telefongespräch mit der für mich zuständigen DKMS-Betreuerin wurde ich umfassend informiert und es wurden Termine für die Voruntersuchung und die Entnahme abgestimmt. Einige Zeit später kam der Tag der Voruntersuchung. Nach vielen Fragebögen folgten Blutentnahme, EKG, eine Ultraschalluntersuchung der meisten Organe, eine ärztliche Untersuchung und ein Gespräch. So genau lernt man seinen Körper von innen wohl sonst nie kennen. Bereits 2 Tage später, nach Vorliegen aller Blutergebnisse, gab es telefonisch und schriftlich das endgültige OK. Vor der eigentlichen Spende muss für einige Tage ein Wirkstoff gespritzt werden, der die Zellen überredet, aus dem Knochenmark ins Blut zu wandern. Hierfür gab es eine sehr geduldige und genaue Einweisung.

Wie lief der Tag der Stammzellspende ab?
Am Tag der Spende sollte ich kein Auto fahren, so dass ich von meinen Eltern zur Entnahmeklinik gebracht wurde. Dort wurde ich sehr freundlich in Empfang genommen und an eine Art Zentrifuge angeschlossen, in der die Stammzellen aus dem Blut abgetrennt werden. In meinem Fall war die Prozedur nach 3,5 Stunden erledigt. In dieser Zeit musste ich die Arme bequem auf Kissen ablegen und habe ferngesehen. Schmerzen oder Langeweile hatte ich während der ganzen Zeit keine. Anschließend gab es ein Essen aufs Haus und ich konnte kurz danach die Heimreise antreten. Am Tag darauf erfuhr ich, dass die Zellen in die USA reisen, um dort einem Erwachsenen eine zweite Chance zu ermöglichen. Meine Zellen sind damit weiter gereist, als ich selbst jemals zuvor. Das war schon ein komisches Gefühl, zu realisieren, was für jemand anderen an so einem unscheinbaren Beutelchen dranhängt. Ich hoffe, die Zellen leisten der Person gute Dienste und sein Gesundheitszustand verbessert sich schnell.

Hast du dich gut betreut gefühlt?
Ja, von Anfang bis Ende hatte ich „meine“ feste Ansprechpartnerin. Selbst wenn diese einmal nicht da war, bekommt man immer eine hilfreiche Auskunft. Man wird an die Termine erinnert und ansonsten auf dem Laufenden gehalten. Alle waren supernett.

Würdest du es wieder machen?
Ja, selbstverständlich. Gerade jetzt, wo es im Umfeld des Sportvereines meiner Kinder einen Leukämiefall gibt (Frances will leben!), ist das Thema für mich sehr nah. Da wird einem ganz schnell bewusst, wie wichtig es ist, dass viele Menschen registriert sind. Ich selbst würde es mir und meinen Lieben umgekehrt ja auch wünschen, eine zweite Chance zu bekommen.

Wie geht es jetzt weiter?
Einige Wochen nach der Spende erfolgt eine Kontrolle der Blutwerte und das Ausfüllen eines Fragebogens. Damit wäre die Spende an sich erledigt. Außerdem bin ich 2 Jahre für „meinen Patienten“ reserviert, für den Fall, dass eine erneute Spende notwendig wird. Innerhalb der 2 Jahre gibt es eine Anonymitätsfrist zum Schutz von Empfänger und Spender, danach kann ein Kontakt hergestellt werden, sofern es von beiden Seiten gewünscht ist. In der Zwischenzeit kann anonym über den DKMS ein Kontakt über Briefe erfolgen.

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Bilder


  • Die Stammzellspenderin Kristin Neubauer berichtet von ihren Erfahrungen. Für sie ist klar: Sie würde immer wieder spenden. / Foto: privat


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Kommentare (6)

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Siggi schrieb um 08:46 Uhr am 14.02.2020:

Danke!

Bin seit Jahren "nur" in der Kontrollgruppe - aber bereit, wenn ich gebraucht werde.

Michael Karl schrieb um 07:23 Uhr am 14.02.2020:

Das ist sicher ein schönes Gefühl, wenn man jemanden auf diese Art helfen kann.
Ich hoffe, daß durch die DKMS noch viel mehr Erkrankten geholfen werden kann.👍

Anica schrieb um 00:12 Uhr am 14.02.2020:

Ich bin auch schon viele Jahre registriert, ich würde so gern damit wen helfen!!!

Mein Organspende-Ausweis ist auch gut sichtbar in meinem Portemonnaie hinterlegt.

Alles Gute dir, Frances (und all den ganzen anderen "Kranken"!

effi schrieb um 22:16 Uhr am 13.02.2020:

Ich bin schon registriert......sonst würde ich auch kommen👍denkt aber auch an die Bereitschaft zur Organspende.....wünsche viel Erfolg für diese Aktion
"die Hoffnung stirbt zuletzt"🤗

Nadine schrieb um 21:07 Uhr am 13.02.2020:

An alle lieben und ernsthaften Spender,bzw. jene die sich gerne registrieren lassen möchten und an diesem Tag nicht können.Es kann ein kostenloses Registrierungsset mit Wattestäbchen und ausführlicher Erklärung unter dkms.de angefordert werden.Bitte helft alle mit,es könnte auch euch oder Nahestehende Personen treffen.Dankeschön

Dirk Richter schrieb um 19:08 Uhr am 13.02.2020:

Hut ab vor meiner lieben Schwester .
JEDER DER KANN, sollte sich registrieren lassen.
Der Mensch klammert sich an den letzten rettenden Strohhalm, der ihm das Leben retten kann. Werden es dann viele Strohhalme, wird die Hoffnung viel größer.