Diese Website verwendet Cookies zur optimalen Darstellung der Inhalte. Durch die Nutzung dieser Webseite erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren

Verstanden

WETTER


Werbung

Restaurant

Turbine
Bar
Kirchhofstraße 3-7
14776 Brandenburg

Ausflugstipps

Wasserturm
Turm
Bahntechnikerring
14774 Kirchmöser

MEETING MIT TOBI


Podcast-Folge anhören/herunterladen: [MP3] - [Podcast auf Spotify] - [Podcast auf iTunes]

ECKIS LOKALKLATSCH


Stellenbörse

Schon in die Meetingpoint-Jobbörse geschaut? Regelmäßig laufen dort freie Stellen aus der Region ein, vom Ingenieur bis zum Lageristen: schnell bewerben und im neuen Job durchstarten! Zu finden ist die Stellenbörse oben im Menü! / Tipp: Sie suchen als Arbeitgeber qualifiziertes Personal? Dann inserieren Sie die Stelle doch einfach im Meetingpoint, so erreichen Sie günstig eine breite Leserschaft!

Kontakt: [info@meetingpoint-brandenburg.de] oder 0176.2444 2852.

NEUE RUBRIKEN




Es fehlt ein Eintrag? eMail [info@meetingpoint-brandenburg.de]

GASTRO-TIPPS


Es fehlt ein Eintrag? eMail [info@meetingpoint-brandenburg.de]

Brandenburger Stimmen zum Europäischen Protesttag: Elke Dahsel und Ralf-Ingo Franke sind auf ihren Rollstuhl angewiesen

Druckansicht

Stadtgeschehen

Erstellt: 01.05.2021 / 10:02 von Antje Preuschoff

Elke Dahsel und Ralf-Ingo Franke sind beste Beispiele dafür, dass eine Behinderung nie wie die andere ist. Auch wenn die beiden für Außenstehende zunächst vor allem im Rollstuhl sitzen, sind ihre Lebenswelten und ihre Bedürfnisse doch ganz andere. Allein schon bestimmt durch das Hilfsmittel, das sie erwählt haben, um ihre motorischen Behinderungen zu kompensieren. „Ein ganz anderer Rollstuhl, ein ganz anderer Blickwinkel“, sagt Elke Dahsel schlicht dazu und schildert lachend: „Ich habe einen Traktor, wie Ingo sagt.“

„Andere können Hindernisse nicht nehmen, über die ich drüber fahre“, weiß sie. Doch nicht nur Schwellen sind für Menschen wie Ralf-Ingo Franke, die sich ohne Batterie mit ihrer Muskelkraft fortbewegen, wesentlich problematischer als für Elke Dahsel im E-Rolli. Riesige Hürden sind Gefälle und Quergefälle, macht er klar: „Bei mehr als 2,5 Prozent Querneigung rollt der Rollstuhl seitlich weg, wie Eltern es vielleicht von Kinderwagen kennen.“ Und die gibt es nicht selten in der Havelstadt, kritisiert Ralf-Ingo Franke.

Warum er sich trotzdem mit Muskelkraft fortbewegt? „Ich will kämpfen, keinen E-Rollstuhl“, erzählt der 63-Jährige. Ralf-Ingo Franke war immer sportlich unterwegs, bis ein Fahrradunfall vor fünfeinhalb Jahren sein Leben veränderte. „Ich habe mir das Genick gebrochen. Seitdem bin ich inkomplett querschnittsgelähmt“, sagt er. Sich davon klein kriegen zu lassen, ist für den Aktiven aber keine Option. „Das Entscheidende ist der Wille, etwas zu machen. Es liegt bei jedem Einzelnen, am Leben teilzunehmen“, meint Ralf-Ingo Franke.

Dazu gehört für ihn auch, sich für die Belange behinderter Menschen einzusetzen. Vor drei Jahren ist er dem Behindertenbeirat beigetreten. Nun ist er im Vorstand aktiv. Dort bringt der ehemalige Inhaber eines Planungsbüros seine Expertise ein. „Ich versuche, Schwachpunkte zu erkennen, wenn es Planungen gibt. Es kann schließlich nicht jeder eine Bauzeichnung lesen“, macht er klar.

Lobend erwähnt er Projekte, die hinsichtlich der Barrierefreiheit gelungen sind, wie etwa der Haltestellenumbau in der Magdeburger Straß. Anderes, wie die Stationen in der Gördenallee sieht er als Fehlplanung an und verweist auf die enorme Steigung über 6 Prozent, die zu den Haltestellen führen. „Da kommt kein Mensch mit dem Rollstuhl hoch.“ Wenn der Behindertenbeirat dort hätte mitreden können und ernst genommen worden wäre, wäre das besser gelaufen, ist Franke überzeugt.

„Barrierefreiheit ergibt sich nicht im Selbstlauf. Wir müssen darauf achten“, weiß auch Elke Dahsel. „Wer kümmert sich schon darum, wenn er nicht selbst damit konfrontiert ist?“

Die 69-Jährige weiß durchaus zu schätzen, was sich im Laufe der Jahre in der Stadt entwickelt hat. Das kann sie gut beurteilen, ist sie doch auf Grund einer chronischen Erkrankung schon seit Jahrzehnten auf den Rollstuhl und helfende Hände angewiesen. „Als ich erkrankt bin, gab es keine öffentlichen Verkehrsmittel, keine Bürgersteigabsenkungen. Da war nur der Fischladen am Mozartplatz, der keine Stufen hatte“, erinnert sie sich.

Für die jugendliche Elke Dahsel war es „harte Arbeit, viele Operationen, um mit dem Zustand, der auf einmal da ist, fertig zu werden und die Behinderung zu akzeptieren“, erzählt sie, fügt aber sofort hinzu: „Es gibt so viele Sachen, die trotz Behinderung toll sind“. So konnte sie in Birkenwerder das Abitur machen und in Berlin jede Menge Kultur live genießen. Nach ihrer Ausbildung als Wirtschaftskaufmann war Elke Dahsel dank der Unterstützung vieler Kollegen fast 40 Jahre berufstätig.

Im Rückblick zeigt sich noch etwas: „Es gab fast keine Rollstuhlfahrer auf der Straße, oft war ich die einzige. Heute gehören sie zum Stadtbild“, bemerkt Elke Dahsel. „Weil es uns ermöglicht wurde, barrierearm am Leben teilzunehmen“, argumentiert sie.

Dass jedoch immer weiter gekämpft werden muss, ist ihr bewusst. Das beginnt bei den Hürden im Straßenverkehr – wie Kopfsteinpflaster und Bordsteine – und endet beim problematischen Zugang zu öffentlichen Einrichtungen. „Da kommt einem manchmal schon der Gedanke: Rollstuhlfahrer und Hunde müssen draußen bleiben“, beschreibt es Elke Dahsel. Sie macht klar: „Wir müssen immer wieder auf diese Probleme aufmerksam machen.“

„In manchen Sachen ist in Brandenburg nicht alles zu verwirklichen wegen des alten Bestands auf Grund des Denkmalschutzes“, weiß sie. „Die Einstellung der Stadt fehlt teilweise“, ist Ralf-Ingo Franke zudem überzeugt. „Wir müssen sehr darum kämpfen, dass sich etwas verändert“, meint er. Eine große Aufgabe, vor allem vor dem Hintergrund, dass die Mitglieder des Behindertenbeirates sich ehrenamtlich engagieren.

Dabei, so macht Elke Dahsel klar, geht es ihnen um einen großen Bevölkerungsanteil. „20 Prozent haben irgendwelche Leiden oder sind schwerbeschädigt“, sagt sie. Hinzu kommen der demographische Wandel und die zunehmende Zahl von Rollatorennutzern oder Gehbehinderten.

Neben ihrem Einsatz für eine barrierefreie Stadt kümmern sich Ralf-Ingo Franke und Elke Dahsel aber vor allem darum, ihr Leben zu genießen. Ersterer tut alles dafür, mit den verbliebenen körperlichen Fähigkeiten aktiv zu sein. Er besitzt jetzt unter anderem ein Handbike, um mit dem Rollstuhl längere Strecken sportlich bewältigen zu können.

Letztere ist sehr natur- und kulturinteressiert und trifft die Feststellung: „Ich bin glücklicher als manch anderer, weil ich zu schätzen weiß, was ich habe und kann“. Elke Dahsel zitiert abschließend Theologe Dietrich Bonhoeffer: „Es gibt ein erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche“.

Im nächsten Beitrag am 3. Mai erzählt Rowena Hübener vom Leben mit ihrer Behinderung: Sie leidet an chronischen Erkrankungen.



Dieser Bericht ist Teil einer Beitragsreihe anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai. Eine Aktion des Beirates für Menschen mit Behinderung und dessen Kooperationspartner in der Stadt Brandenburg, gefördert von Aktion Mensch.
Fotos: Jacqueline Steiner

Dieser Artikel wurde bereits 1959 mal aufgerufen.

Bilder



  • Elke Dahsel

  • Ralf-Ingo Franke.


Werbung