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Brandenburger Stimmen zum Europäischen Protesttag: Nicole Mrugalski und Markus Sagert leben und arbeiten bei Fliedners

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Stadtgeschehen

Erstellt: 05.05.2021 / 10:02 von Antje Preuschoff

Nicole Mrugalski und Markus Sagert sind ein tolles Paar. Die beiden unternehmen viel gemeinsam, gehen liebevoll miteinander um und unterstützen sich im Alltag. Ihre gegenseitige Hilfestellung ist für die jungen Brandenburger ganz selbstverständlich. Denn sie wissen, dass sie einiges nicht so können wie andere Menschen. Nicole Mrugalski und Markus Sagert leben in der Fliedners-Wohnstätte an der Neuendorfer Straße. Dort erarbeiten sie sich nicht nur Stück für Stück mehr Selbstständigkeit in ihrem eigenen Alltag, sondern bringen sich für andere Menschen mit geistigen Defiziten ein. Sie sind Mitglieder des Beirates für Menschen mit Behinderungen. / Hinweis: Diesen Text gibt es als Download-PDF am Ende auch in sog. "Leichter Sprache". Das ist eine speziell geregelte einfache Sprache, um Inhalte verständlicher zu machen.

Der Alltag von Nicole Mrugalski und Markus Sagert ist sehr durchstrukturiert. Um 6.25 Uhr geht die Straßenbahn zum Hauptbahnhof. Dort steigen sie in den Landbus nach Schmerzke um. An der Belziger Chaussee sitzen die Hauptverwaltung der Lafim-Dienste für Menschen mit Behinderungen, „Fliedners“ sowie verschiedene Arbeitsbereiche.

Das Paar gehört dort der Reinigungsgruppe an. „Wir müssen Toiletten putzen, Waschbecken reinigen, Flure fegen“, erzählt Nicole Mrugalsi über ihre Aufgaben. Früher arbeitete die 29-Jährige in Wilhelmsdorf in der Essensausgabe. „Jetzt macht es mir mehr Spaß“, sagt sie. Und auch Markus Sagert meint, nachdem er ursprünglich eine Berufsausbildung im Holzbereich gemacht hat: „Ich bleibe da gerne“.

Dabei ist der Tag der beiden nicht ohne. Um 5.30 Uhr aufstehen, die lange Fahrt nach Schmerzke, die Tour zurück. Kurz nach 16 Uhr sind die beiden in der Regel wieder in ihrer Wohngruppe. Nur freitags ist etwas früher Schluss.

In ihren Wohngruppen sind dann ebenfalls verschiedene Aufgaben fällig: Die Badreinigung, das eigene Zimmer oder den Gruppenraum putzen sowie den kleinen und großen Flur. „Samstags kochen wir selbst“, erzählt Markus Sagert – mit Unterstützung des Wohnstätten-Personals. Aber: „Bei Lasagne stehe ich schon allein am Herd“, sagt der Brandenburger stolz.

Überhaupt ist Markus Sagert auf einem guten Weg, sich seinen Traum zu erfüllen, irgendwann eine eigene Wohnung zu beziehen. „Mit dem Aufstehen klappt es noch nicht“, verrät er jedoch. Da hakt seine Freundin ein: „Dafür hast du ja mich“.

Was sie ohne ihren Freund nicht schafft? Allein durch Brandenburg zu touren. „Ich komme noch nicht an, wo ich hin will. Es fehlt an der Orientierung“, sagt sie. Das liegt unter anderem daran, dass die 29-Jährige nicht schreiben und lesen kann. Sie senkt verlegen den Kopf, als sie das erzählt. Doch Markus Sagert macht sofort klar: „Was meinst du, wie viele das nicht können?“.

Und hier, so meldet sich Susann Plew, zuständig für gemeinschaftliches Wohnen, zu Wort, könne einfach Abhilfe geschaffen werden. Dann nämlich, wenn Piktogramme und Bilder zur Orientierung eingesetzt werden. „Das wäre nicht nur für dich gut, sondern für ganz viele Leute. Andere Erwachsene, die nicht lesen, oder Flüchtlinge, die die Sprache nicht verstehen können“, sagt sie in Nicole Mrugalskis Richtung.

Solch eine Hilfestellung mit Piktogrammen sei ein Teil von Barrierefreiheit und ein Schritt zur gesellschaftlichen Teilhabe aller, macht Susann Plew klar. Ebenso wie die so genannte leichte Sprache. Sie ist eine speziell geregelte einfache Sprache, die das Verständnis fördert. Doch an deren Einsatz hapert es überall. Auf Internetseiten ebenso wie zum Beispiel bei Sitzungen oder Presseverlautbarungen.

„Menschen mit kognitiven Behinderungen fallen immer raus“, bemängelt Susann Plew. „Für Gehörlose gibt es Gebärdendolmetscher, aber es gibt niemanden, der es in leichte Sprache übersetzt.“

Das macht es für die Personen mit kognitiven Handicaps auch schwieriger, sich für ihre Interessen zu engagieren. Nicole Mrugalski und Markus Sagert sind Mitglieder des Beirates für Menschen mit Behinderungen, in den sich regelmäßig Fliedners-Betreute einbringen. „Wir wollen schon noch mitbestimmen, was in der Stadt passiert“, sagt Susann Plew dazu. Doch auf Dauer, so ist ihr klar, sei das nicht ganz so einfach.

Auch Nicole Mrugalski und Markus Sagert können nicht mehr. „Ich höre auf, weil es zu anstrengend ist“, sagt der 33-Jährige. „Das geht manchmal drei Stunden. Es dauert zu lange, ist ganz schön heftig.“ Zumal die beiden auch nicht alles verstehen, worüber sich unterhalten wird. „Ich habe mich erst nicht getraut, es zu sagen“, erzählt die junge Frau. Mittlerweile ist sie es leid, es zu wiederholen.

Dabei unterscheiden sich die Forderungen der beiden gar nicht so sehr von denen anderer Brandenburger. „Wir müssen die Radfahrwege sicherer machen“, findet Markus Sagert. Er verweist auf einen Dauerbrenner. „Die Steinstraße ist gefährlich. Da kommt man nicht voran, und muss man aufpassen, dass einem die Bahn nicht in den Po fährt.“

Wenn Nicole Mrugalski einen Wunsch an den Oberbürgermeister richten könnte, sei es dieser: „Wir müssen mehr Mülleimer haben“, findet sie. Denn wer was wegschmeißen möchte, muss immer erst nach einem Abfallbehälter suchen.

Für Susann Plew sind auch diese beiden Wünsche ein eindeutiges Zeichen, dass sich die Fliedners-Bewohner durchaus ihren Kopf um eine lebenswertere Stadt machen. „Sie haben ihre Meinung. Sie brauchen nur etwas mehr Zeit“, sagt sie.

Im nächsten Beitrag am 7. Mai erzählt Petra Winkler aus ihrem Leben mit Behinderung: Sie ist gehörlos.



Dieser Bericht wird hier per Download-PDF auch in der sog. "Leichten Sprache" veröffentlicht.

Er ist Teil einer Beitragsreihe anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai. Eine Aktion des Beirates für Menschen mit Behinderung und dessen Kooperationspartner in der Stadt Brandenburg, gefördert von Aktion Mensch.

Fotos: Jacqueline Steiner

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