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Brandenburger Stimmen zum Europäischen Protesttag: Petra Winkler ist gehörlos

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Stadtgeschehen

Erstellt: 07.05.2021 / 10:02 von Antje Preuschoff

Bei einer Form der Behinderung ist die Barriere auf beiden Seiten vorhanden: bei schwerhörigen oder gehörlosen Menschen und denen, die hören können. Denn in diesem Fall ist die Kommunikation nur sehr holprig oder mit externer Hilfe möglich. Für Petra Winkler, Vorsitzende des Gehörlosenvereins Brandenburg/Havel, wäre es ein Traum, wenn die Gebärdensprache in Kitas und Schulen fest verankert wäre. Aber zunächst, so stellt sie fest, ist es wichtig, dass Dolmetscher im Alltag selbstverständlich werden.

In anderen Ländern, wie Skandinavien oder den USA, funktioniert es doch auch, weiß Petra Winkler. Hier sind – da springt ihr Dolmetscher Dietmar Rudolph zustimmend bei - Dolmetscher sofort zur Stelle, wenn es irgendwo in der Öffentlichkeit bei der Kommunikation stockt. Etwa, wenn es zu Unfällen kommt oder bei Problemen in öffentlichen Einrichtungen. Zusätzlich werden im Fernsehen oder auf Internetseiten die Informationen sofort in die Gebärdensprache übersetzt. In Deutschland jedoch, so kritisieren die zwei, ist davon noch immer so gut wie gar nichts zu merken.

Ja, die Corona-Pandemie hätte diesen Umstand durchaus verbessert. „Es ist mehr Gebärdensprache in den Medien zu sehen“, stellt Petra Winkler fest, meint aber: „Ich hoffe, dass sie auch hinterher dran denken, dass es Gehörlose gibt“.

Ansonsten hat die Krise die Situation für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen deutlich verschlechtert, schildert die Vereinsvorsitzende. „Alle sind sehr isoliert, sehr allein. Das wird immer schlimmer“, weiß sie. „Es sind so viele Türen zu, die Kontakte schwierig.“ Natürlich versuchen die Vereinsmitglieder via Zoom, Webcam oder Whatsapp miteinander im Gespräch zu bleiben. Es fehle aber das Persönliche, die Mimik und Gestik, auch Berührungen - „Das ist unsere eigene Kultur, unsere eigene Bildung. Für uns sind die Hände das Wichtigste“, schildert Petra Winkler.

Aber nicht nur untereinander, auch mit Menschen, die hören können, hat sich der Austausch deutlich erschwert. „Die Gebärdensprache isoliert uns sowieso schon. Durch die Maskenpflicht ist das noch schlimmer geworden. Es ist doppelt belastend für uns.“ Weil alle die Mund-Nasen-Bedeckung tragen, entfallen das Mundbild sowie ein Großteil der Mimik - und damit die Chance, Lippen zu lesen oder Gefühlsregungen abzuschätzen.

Petra Winkler selbst ist von Geburt an taub. Sie hat eine Gehörlosenschule in Berlin mit dort angeschlossenem Internat besucht. Auch wenn sie montags bis samstags so gut wie nie in Brandenburg war, liebt sie diese Stadt und die damit verbundenen Erinnerungen. „Ich hatte eine gute Kindheit, tolle Nachbarschaft und viele – auch hörende - Freunde“, erzählt sie.

Dennoch habe es seither große Sprünge gegeben, um schwerhörigen oder gehörlosen Menschen das Leben zu erleichtern. In der Art, wie die Gebärdensprache mittlerweile vermittelt wird. Ohne den Zwang, dabei zu sprechen, also Laute nachzuahmen, die man sowieso nicht hört. Oder den Lehrern von den Lippen ablesen zu müssen, was auf Dauer unfassbar anstrengend sei.

Einfacher geworden ist vieles zudem durch die Weiterentwicklung der technischen Möglichkeiten. „Die Technik hilft uns sehr in der Barrierefreiheit“, macht Petra Winkler klar. Unter anderem kann sie so einfacher via App kommunizieren – zum Beispiel beim Einkauf oder bei Behördengängen. Oder eben via Whatsapp oder Videocall mit Freunden in Kontakt bleiben.

Schmunzelnd erinnert sich Petra Winkler an den krassen Gegensatz in jüngeren Jahren. Etwa, wie sie sich nach der Wende als erstes ein Schreibtelefon gekauft hat, um ihren Eltern von Reisen aus mitteilen zu können, dass es ihr gut geht. „Da hatte man einen zweiten Koffer dabei“, erzählt sie über das sperrige Gerät, das anstelle von Sprechlauten Text übermittelt. Obwohl es so wuchtig war, hat es ihr dennoch das Leben erleichtert, macht die 60-Jährige klar. Eine weitere tolle Erfindung sind Lichtsignalanlagen, die bei Geräuschen aufblinken. Etwa dann, wenn das Baby im Nebenzimmer schreit. „Sonst musste man andauernd nachgucken“, erzählt Petra Winkler – auch über diese Anfangszeit mit ihrer Tochter.

Was neben der Technik aber ganz wesentlich ist: dass Gebärdensprache ein selbstverständlicher Teil der Gesellschaft wird, findet sie. „Es wäre schön, wenn es als Pflichtfach eingeführt wird“, meint Petra Winkler sogar. Aber vor allem wünscht sie sich, dass Dolmetscher leichter an die Hand zu bekommen sind. Für Arztbesuche, Elternabende oder ähnliches. Videos mit Gebärdensprache auf Internetseiten sollten ebenso selbstverständlich werden, wie Dolmetscher auf sämtlichen Nachrichtensender. „Uns fehlen die Informationsquellen“, macht Petra Winkler klar. Und zwar durchaus auch lokal, kritisiert sie den hiesigen Fernsehsender. „Viele Brandenburger schauen das gern. Wir jedoch kriegen das nicht mit“, argumentiert sie.

Denn oftmals sind Untertitel nicht ausreichend, weil das Lesen gehörlosen Menschen nicht leicht fällt, verrät sie. „Schreiben und lesen ist schwerer für uns, weil das zu 90 Prozent durchs Gehör gelernt wird“, berichtet Petra Winkler. Zudem unterscheide sich die Grammatik der Gebärdensprache sehr von der Lautsprache. „Sie ist kürzer, knapper, das Verb ist immer am Ende des Satzes“, gibt sie Beispiele.

Für gelingende Integration ist Dolmetschen aus ihrer Sicht also das A und O. „Wir möchten auch gern mehr kulturelle Veranstaltungen erleben, in Museen gehen, Stadtführungen mitmachen“, so Petra Winkler. Einfach am Leben teil haben – ohne, dass die Sprache zur Barriere wird.

Im letzten Beitrag am 9. Mai zieht die Autorin ein persönliches Fazit aus den Interviews.


Dieser Bericht ist Teil einer Beitragsreihe anlässlich des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen am 5. Mai. Eine Aktion des Beirates für Menschen mit Behinderung und dessen Kooperationspartner in der Stadt Brandenburg, gefördert von Aktion Mensch.
Fotos: Jacqueline Steiner

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