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Erinnerungen an einen Ausnahmemusiker: Am letzten Montag starb Hannes Ferrand im Alter von 57 Jahren!

Theater
  • Erstellt: 06.05.2021 / 19:08 Uhr von Helga Stöhr-Strauch
„Im Weißen Rössl“, „Frau Luna“, „Hollywood an der Havel“, verschiedene Silvestergalas und schließlich „Mein Freund Bunbury“ – Er schien auf die leichte Muse abonniert. Denn die beherrschte er wie kaum ein anderer. Hannes Ferrand, langjähriger ständiger Gastdirigent am Brandenburger Theater, ist am vergangenen Montag im Alter von 57 Jahren gestorben. Geboren wurde er in Weimar, wo er an der dortigen Musikhochschule „Franz Liszt“ unter anderem bei Wolf-Dieter Hauschild, Rolf Reuter und Hans-Jörg Leipold das Dirigieren lernte. Kurt Masur und Robert Hanell gehörten ebenfalls zu seinen Lehrern.

Von 1985 bis 1997 arbeitete er als 1. Kapellmeister am traditionsreichen Metropoltheater Berlin, leitete zahlreiche Operetten und Musicals und war anschließend für ein Jahr als Gastdirigent am Staatstheater Cottbus engagiert. Danach verließ der gebürtige Thüringer die Region und folgte einem Ruf ins niederbayrische Eggenfelden, wo er als Musikdirektor und Chefdirigent am Theater an der Rott seine besondere Vorliebe für die italienische Oper weiter verfolgte. Sein Können im Bereich der Klassik stellte er unter anderem als Gastdirigent der Münchner Symphoniker, der Jenaer Philharmoniker, der Rheinischen Staatsphilharmonie Koblenz sowie der Nürnberger und Hofer Symphoniker unter Beweis.

Dem Brandenburger Theater jedoch blieb Hannes Ferrand immer auf ganz besondere Weise verbunden. War er vor Ort, menschelte es sofort. An eine bezeichnende Episode erinnert sich die langjährige Notenarchivarin und Inspizientin am Brandenburger Theater, Anke Schwalm-Bölsche, als er sich anlässlich einer Ballett-Gala aufgrund mangelnden Notenmaterials kurzerhand selbst seine Arrangements zusammenschrieb, indem er Klavierauszüge sammelte und sichtete. „Hannes war immer mit Herzblut bei der Sache“, sagt sie. „Ihm ging es nie um die Gage oder ums Ansehen“. Und Frank Martin Widmaier, der Hannes Ferrand bei seiner großen Musiktheaterproduktion „Mein Freund Bunbury“ als Musikalischen Leiter gewinnen konnte, ergänzt: „Hannes brannte für die Sache. Was er tat, war kompetent und sachbezogen. Ihm ging es nie um Nebenschauplätze, Konkurrenzdenken oder Eitelkeiten. Ganz im Gegenteil. Indem er künstlerische Aufgaben löste, hat er die Menschen hier am Haus zusammengebracht“.

Vielleicht funkte es auch deshalb schon früh bei den beiden künstlerischen Überzeugungstätern. Als sich Widmaier nämlich auf die Suche nach einem geeigneten Eröffnungsstück für sein neues Brandenburger Engagement machte, war es Hannes Ferrand, der ihm auf ihn zukam und ihn mit vielen Details aus seiner langjährigen Erfahrung als Dirigent und Arrangeur unterstützte. Mit ihm am Pult wurde das DDR-Musical „Mein Freund Bunbury“ im Jahr 2019 dann auch der Knaller, der bis heute im Gedächtnis der Brandenburger Theatergemeinde geblieben ist.

Bis zuletzt lebte Ferrand in der Nähe von Bad Füssing. Aufgrund seiner Krebserkrankung zog er in ein Hospiz nach Woltersdorf, um die letzten Tage in der Nähe seiner Tochter zu verbringen.

Er wird uns fehlen.

Bilder

Foto: Fritz Schulze
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