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Offener Brief an die Regionalleitung der DB Regio Nordost: "So geht man nicht mit Kunden um"

Leserbriefe
  • Erstellt: 11.06.2021 / 13:00 Uhr von Patrick Meinhardt
Vorgänge am Brandenburger Bahnhof am Mittwoch, den 9. Juni 2021, ab 17.50 Uhr. Sehr geehrter Herr Vorsitzender, lieber Herr Moll, die Vorgänge am Hauptbahnhof Brandenburg für 100 bis 150 Fahrgäste der Deutschen Bahn am vorgestern Abend ab ca. 17.50 Uhr waren ärgerlich, waren dilettantisch und hatten nichts, aber auch gar nichts mit Kundenservice zu tun.

Wissen Sie, in jedem Betriebsablauf kommt es zu Störungen oder auch mal zu Ausfällen. Wenn ich alle Wartezeiten in und vor Bahnhöfen und in Zügen addiere, könnte ich davon wahrscheinlich schon einen wunderbaren Urlaub machen - und halte Ihnen wie viele der Menschen, die vorgestern am Bahnhof standen, weiterhin die Treue. Und gerade wenn es wohl eine Oberleitungsstörung gab, dann kommt es in der Folge auch zu Verspätungen, wofür die meisten Fahrgäste großes Verständnis haben.

Was aber vollkommen inakzeptabel, unverantwortlich und respektlos ist: Wenn mit den Kunden, nicht gesprochen wird, es keinerlei Informationen gibt und man vollkommen allein gelassen am Bahnsteig steht.

Die Steigerung war aber sicher vorgestern Abend:
Das Gleis für die Abfahrt des Zuges von Brandenburg nach Berlin um 18.00 Uhr wurde von Gleis 1 auf Gleis 4 verlegt; der Zugang zu den Gleisen 2 und 3 war gesperrt. Wir alle sputeten durch die Unterführung; der Zug stand da und wir sind eingestiegen.

Es war 18.01, 18.02 Uhr - inzwischen verließen immer mehr Menschen den Zug, denn sowohl bei der DB-Anfrage auf Handy als auch an der Anzeige stand plötzlich Gleis 1 - und inzwischen stand dort auch ein Zug.

Wir alle rannten wieder durch die Unterführung zu Gleis 1: exakt in dem Moment, da wir auf dem Bahngleis waren, fuhr der Zug los. Jeder konnte sehen, dass etwa 100 Passagiere in die Röhre schauten und am Bahngleis zurückgelassen wurden.

Bis zu diesem Zeitpunkt gab es keine einzige Durchsage im Zug, keine Ansage auf den Gleisen - und kein einziger Mitarbeiter der Bahn war weit und breit zu sehen, der vielleicht hätte erklären können, was hier gerade passierte.

Der Folgezug sollte - so die Anzeige - um 18.25 Uhr auf Gleis 1 abfahren, auf dem aber der Zug nach Magdeburg einfuhr und kurz nach 18.25 abfuhr. Um 18.28 wurde dann für den Zug um 18.25 eine Verspätung von 20 Minuten angezeigt - und wieder gab es keine Durchsagen! Von einem Moment zum anderen wurde die Verspätung in der Anzeige herausgenommen und als neues Gleis für die Abfahrt wieder Gleis 4 angezeigt. Also hetzten wieder alle durch die Unterführung zu Gleis 4 und standen vor dem gleichen Zug, in dem wir schon einmal saßen, der aber verschlossen war. Inzwischen standen etwa 150 Leute auf dem Bahngleis - und bevor ich es vergesse zu erwähnen: Es gab wieder keine Information und keine Durchsage.

Der erste Kontakt mit der Stimme eines Mitarbeiters der Deutschen Bahn fand statt, als die Türen entriegelt wurden und wir ca. zehn Minuten auf unseren Plätze saßen, als dann im Augenblick der Anfahrt die erhellende Durchsage kam: „Jetzt gehts los!“

Sehr geehrter Herr Moll,
so geht man nicht mit Kunden, so geht man erst recht nicht mit Stammkunden um - und ich vermute, dass dies die meisten waren. Die gesamte Vorgehensweise ist jenseits von Gut und Böse. Lesen Sie dazu auch gerne die Kommentierungen auf meiner Facebook-Seite. Meinen Beitrag habe ich bewusst mit der Deutschen Bahn Personenverkehr verlinkt.

Die Reaktionen am Bahnsteig würden mich an Ihrer Stelle sehr nachdenklich werden lassen. Da war mit wenigen Ausnahmen kein zorniges Lautwerden - überhaupt nicht. Die Stimmung war eher durch die Formulierungen beschrieben: „Was will man anderes erwarten. Das passiert jaständig. Die können’s halt nicht!“ Wenn die fatale Erwartungshaltung gerade von Stammkunden ist, dass das Chaos die Realität ist, läuft aber gehörig was falsch.

Deswegen erlaube ich mir Ihnen jetzt einfach einen Tipp zu geben. Lassen Sie sich irgendetwas einfallen, an dem zu erkennen ist, dass Ihnen dieses Chaos am Hauptbahnhof auch wirklich leid tut. Mein Vorschlag wäre: Ordern Sie für einen der nächsten Tage einen Eisverkäufer aus Brandenburg, der mit seinem Stand zwischen 17.30 und 18.30 Uhr am Gleis 1 im Brandenburger Hauptbahnhof steht, und informieren Sie die Öffentlichkeit, dass alle Betroffenen von Ihnen eine Gratis-Eis als ein kleines Zeichen der Wiedergutmachung bekommen.

Das Unverständnis, die Verärgerung und das starke Gefühl der Respektlosigkeit bleiben, aber eine ehrlich gemeinte Entschuldigung welcher Art auch immer ist ein Zeichen von Größe.

Mit herzlichen Grüßen
verbleibe ich
Ihr

Patrick Meinhardt
FDP-Kreisvorsitzender
Brandenburg an der Havel


Bitte beachten: Meldungen in der Rubrik "Leserbriefe" geben nicht die Meinung der Redaktion wieder, sie sind ein persönlicher Text des jeweiligen Verfassers. Einsendungen sind unter [info@meetingpoint-brandenburg.de] mö:glich.
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