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Das Stadtbad auf dem Weg zum Kunstforum: Wie ein Stück Brandenburger Identität wiederbelebt wird

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 12.10.2021 / 19:00 Uhr von pre
Das alte Stadtbad nach Jahren wieder zu betreten und zu schauen, was aus dem Ort der Kindheit geworden ist: Es gibt wohl kaum einen Brandenburger, bei dem dieser Drang nicht bestehen dürfte. Genau das hat Anne Müller erlebt, als der Stadtbad e.V. zum Tag des offenen Denkmals erstmals die Pforten der historischen Einrichtung von 1930 öffnete. 2.000 Besucher schauten am 11. und 12. September vorbei. „Die Brandenburger übernahmen ihr Gebäude, sie sind hier reingepilgert“, erzählt Anne Müller begeistert. Nun besteht die nächste Chance dazu. Denn der Stadtbad e.V. lädt zur „Tieftaucher“-Performance ein.

Dann wird das alte Becken, heute trocken gelegt, aber dafür kunterbunt besprüht, zum außergewöhnlichen Bühnenbild. Gemischt mit live erzeugten Wassersounds und einer Videoinstallation entsteht die Show im Augenblick – folgt keinem wahren Drehbuch. Wie genau das aussehen kann, kann jeder Brandenburger am Samstag 16. Oktober, erleben. 
 
Anne Müller freut sich schon jetzt auf die Besucher, die am Beckenrand stehen. „Das Stadtbad war ein öffentlicher Raum und soll es auch bleiben“, macht sie das erklärte Ziel des Vereins deutlich. Veranstaltungen wie die am kommenden Samstag sind dabei nur ein kleiner Schritt auf dem Weg, das Bad als Kunstforum zu installieren. „Wir wollen zeigen, wie man mit dem Gebäude arbeiten kann. Wir wollen zeigen, das Bewegung und Leben da ist“, sagt Anne Müller. 
 
Sie und ihr Mann Martin realisierten seit vielen Jahren interdisziplinäre Kunst- und Kulturprojekte. Und nun haben die beiden, gemeinsam mit anderen illustren Mitstreitern, im Mai 2021 den Stadtbad e.V. gegründet, um die Entwicklung des Gebäudes voranzutreiben – hin zu einem Zentrum, in dem Kunst und Kultur gesellschaftliche Prozesse anstoßen und dass sich als soziokultureller Treffpunkt behauptet. 
 
„Es ist keine Leerstandsbespielung“, sagt Anne Müller über das Vorhaben. Stattdessen – und so hat es ihr die Anteilnahme der Brandenburger im September gezeigt –, geht es um „Fortführung von städtischer Identität“. Auch sie selbst, obwohl Zugezogene, kann sich dem Gebäude im Stil des Neuen Bauens nicht entziehen. Als „totales Glück“ beschreibt die Künstlerin das Gefühl, dort durchzustromern. „Es strahlt Leben aus, da will man intuitiv zupacken“, meint Anne Müller und fügt hinzu: „Von den Möglichkeiten, hier zu arbeiten, wird einem schwindelig“. 
 
Die Brandenburger bekommen davon zunächst erst einmal die „Spitze des Eisbergs“ zu sehen. Das sind jene „kleinen“ Veranstaltungen, die das Stadtbad nach 21 Jahren wieder für sie zugänglich machen. Hinter den Kulissen arbeitet ein ganzes Netzwerk aus städtischen und überregionalen Akteuren daran, die Vision vom Kunstforum Brandenburg erwachsen zu lassen. „Ich könnte mir hier sogar ein Bistro oder Café vorstellen“, verrät Anne Müller. 
 
Zunächst jedoch ist es schon eine außergewöhnliche Erfahrung, das Stadtbad nach all der Zeit des Brachliegens wieder betreten zu können. Selbst wenn - oder auch weil - es tiefe Spuren von Verfall und Vandalismus trägt. Neben „Tieftaucher“ [lesen Sie dazu hier den Bericht vom 10.10.21] wird es etliche, weitere Chancen geben, das zu tun. Unter anderem ist zu Silvester das „Ausbaden“ geplant. 
Zusätzliche Termine und Informationen gibt es unter [www.stadtbad.eu]. 
 
Übrigens: Die Veranstaltung am kommenden Samstag, 16. Oktober, kann von 15 bis 18 Uhr besucht werden. Da die Performance ein Prozess ist, wie Anne Müller sagt, können die Brandenburger vorbeikommen, wie sie möchten. Die Mitstreiter des Betreibervereins werden die Interessierten nach und nach in Gruppen durch das Foyer zum Schwimmbecken führen. “Das geschieht ausdrücklich auf eigene Gefahr”, macht der Stadtbad-Verein jedoch deutlich. 

Bilder

Anne Müller ist selbst am Samstag auch bei der Performance zu erleben und sorgt für entsprechende Wassersounds im Schwimmbecken.
Proben für die "Tieftaucher" im Schwimmbecken. Foto: Müller
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