Startseite  /  Jobbörse  /  Artikel einsenden  /  Impressum

Logo

4,75 Millionen Gäste in 2019 / Tourismus als Wirtschaftsfaktor - Wieviel Brandenburgs Gäste der Stadt bringen / Ende März wird der erste Saison-Ansturm erwartet

Stadtgeschehen
  • Erstellt: 19.02.2022 / 09:01 Uhr von pre
Brandenburgs Gäste lassen die Kassen klingeln. Für 152,4 Millionen Euro Umsatz sorgte der Tourismus 2019 in der Stadt. Ein Wirtschaftsfaktor, der Jobs schafft und Einnahmen sichert, meint Moritz Sporer. Der Geschäftsfeldleiter bei der dwif-Consulting GmbH (Deutsches Wirtschaftswissenschaftliches Institut für Fremdenverkehr e.V.) präsentierte im Rahmen der “Tourismuswerkstatt” im Rolandsaal am Freitag die Ergebnisse seiner Wirtschaftsfaktor-Analysen für die Havelstadt.

4,75 Millionen Gäste zog es 2019 nach Brandenburg. Davon kam der Großteil, nämlich 4,3 Millionen für einen Tagesbesuch in die City, 450.000 Menschen übernachteten auch hier. „Der Tagestourismus hat vor Ort eine große Bedeutung“, stellt Moritz Sporer dementsprechend fest. Umgerechnet auf die Einwohnerzahl seien das 60 Tagesreisen pro Einwohner. „Die Intensität ist deutlich überdurchschnittlich im Vergleich zur Region“, führt der Analyst weiter aus. 
 
Die Tagesreisenden sorgen für mehr als drei Viertel des Umsatzes, wobei die hier Übernachtenden deutlich mehr Geld pro Tag da lassen. Mit nur 9,5 Prozent der Aufenthaltstage machen ihre Ausgaben immerhin 23,5 Prozent des Gesamtumsatzes (35,9 Millionen Euro) aus. 
 
Profiteure von den Stadtbesuchern sind vor allem Gastgewerbe, Einzelhandel und Dienstleistungen, wie etwa Kulturveranstaltungen oder Museen. Das Ausgabeverhalten der Tages- und Übernachtungsgäste unterscheidet sich dabei sowohl in Höhe als auch in Struktur. „Tagesgäste geben ihr Geld überweigend im Einzelhandel (rund 43 Prozent) aus, Übernachtungsgäste im Gastgewebe (rund 65 Prozent)“, so Sporer. 
 
Während ein Tagesgast im Schnitt 27,10 Euro hier lässt, liegen die Ausgaben bei Besuchern mit längerer Verweildauer bis zu vier Mal so hoch. 117,40 Euro lassen die Gäste gewerblicher Betriebe durchschnittlich pro Tag in der Stadt. 
 
Allerdings sticht Brandenburg bei der Unterkunftswahl ebenfalls hervor, zeigt Sporer auf. Übernachtungen auf Campingplätzen oder in Privatunterkünften mit weniger als zehn Betten nehmen hier einen weitaus größeren Teil (gesamt fast 50 Prozent) ein als üblich, kommentiert er. Zirka 200.000 Übernachtungen in solchen Unterkünften stehen 250.0000 in gewerblichen Betrieben, also Hotels, Pensionen und anderem gegenüber. Während letzteres amtlich erfasst wird, basieren die Analysen der Campingplatznutzung und Co. auf statitischen Erhebungen sowie zu Befragungen zu den Auslastungen (Zuarbeit der Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft). 
 
Neben den touristischen Betrieben selbst werden auch bei so genannten Vorleistungslieferanten Löhne, Gehälter und Gewinne generiert. Aus beiden Umsatzstufen entsteht - abzüglich von Abgaben - in Brandenburg ein Einkommen in Höhe von 69,2 Millionen Euro, das den Beschäftigten und Unternehmern zugute kommt. Der genannte Betrag entspricht einem Äquivalent von 3880 Personen, die durch den Tourismus ein Primäreinkommen von knapp 18.000 Euro pro Jahr verdienen könnten, schilderte Sporer. „Als Jobmotor schafft beziehungsweise sichert der Tourismus ortsgebundende Arbeitsplätze.“ 
 
Hinzu kommt: Allein durch Mehrwertsteuer und Einkommensteuer aus dem Tourismus werden dem Fiskus pro Jahr insgesamt 14,2 Millionen Euro zugeführt. 
 
Das alles sind allerdings Zahlen von „vor Corona“. Eins macht Moritz Sporer nämlich bedauernd klar: „Weltweit ist es die Branche, die am meisten betroffen ist“. Er sagt: „Es gibt keine Gewinner, nur weniger betroffene Destinationen“. Bewertet würde dies vorrangig über Übernachtungen in gewerblichen Betrieben. „Der Rückgang fiel in der Stadt verhältnismäßig gering aus“, so Sporer. 
 
Ländliche Bereiche steckten weniger ein als große Metropolregionen und „Destinationen, die im Outdoor-Bereich gut aufgestellt sind, sind weniger betroffen“, beschrieb der Analyst. Brandenburgs Wasserlandschaft und die Größe der Stadt können damit ein Standortvorteil in Pandemiezeiten sein. 
 
Sporers Rat für die anstehende Saison: „Sicherheit vermitteln, transparent kommunizieren ist das Gebot der Stunde“ und, sich mit geeigneten Konzepten vorzubereiten. „Summer is coming“, so der Fachmann. 
 
Das stellt auch Thomas Krüger, Geschäftsführer der Stadtmarketing- und Tourismusgesellschaft fest. „Wir gehen davon aus, dass mit Lockerung der Maßnahmen Ende März ein kleiner Ansturm bei uns eintreten wird“, sagt er eingangs der Veranstaltung. „Die Zimmervermittlung ist schon wieder gefragt. Es gibt Leistungsanbieter die melden schon, wir sind fast ausgebucht“, berichtet er über die anstehende Urlaubssaison. 
 
Für Krüger selbst kam bei der Präsentation der Ergebnisse die Intensität des Tagestourismus überraschend. Es dürfte ihn jedoch freuen, denn „wir haben im Einzelhandel gemerkt, dass der Tourismus fehlte“, stellte er für die pandemiegebeutelten Monate fest. Und dort, so zeigt es schließlich die Analyse, lassen Tagestouristen das meiste Geld.

Dokumente


Bilder

Die Präsentation der Wirtschaftsfaktor-Analysen im Rolandsaal mit Moritz Sporer, dwif GmbH, STG-Geschäftsführer Thomas Krüger und Oberbürgermeister Steffen Scheller (von links).
Dieser Artikel wurde bereits 1.726 mal aufgerufen.

Werbung