Startseite  /  Jobbörse  /  Artikel einsenden  /  Impressum

Logo

Zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Ausstellung „Frauenarbeit. Frauenalltag. Frauenrecht“ im Industriemuseum zu sehen

Events
  • Erstellt: 25.02.2022 / 07:01 Uhr von pre
„Frauen mussten das Doppelte leisten, bis sie anerkannt wurden. Vor allem in der Leitungsebene.“ Ruth Liebe weiß, wovon sie spricht. Sie hatte sich in den 1970ern im Stahlwerk zur Direktorin für „Technische Kontrollorganisation“ (Qualitätssicherung) hochgearbeitet, war damit die einzige Direktorin, die es dort je gab. Und das, obwohl die DDR als fortschrittlicher galt, was die Rolle von Frauen im Erwerbsleben anging. Einen Blick darauf eröffnet aktuell die Ausstellung „Frauenarbeit. Frauenalltag. Frauenrecht“ im Industriemuseum.

Die Wanderausstellung ist seit dem 8. März 2018 unterwegs und im Rahmen der Brandenburgischen Frauenwoche nun in der Stadt Brandenburg angelandet. Die Schau setzt sich mit der Situation und den Erfahrungen berufstätiger Frauen in der DDR ab den 70er Jahren auseinander. Begleitet von Zeitzeuginnenberichten aus verschiedenen Branchen bilden die Exponate drei Zeitspannen ab: DDR, Wendezeit und die jüngere Vergangenheit. 
 
Museumsleiter Marius Krohn stellte daher bei seiner Eröffnungsrede am Dienstag den Bezug zum Stahlwerk her und dabei fest, dass es einen Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit gab. „Frauenarbeit wurde sehr wertgeschätzt, ohne die Frauen hätten die Betriebe nicht überleben können“, sagt er, weiß jedoch auch: „Aber die Geschlechterrollen wurden nicht in Frage gestellt“. 
Das zeigte sich auch daran, dass wichtige Positionen vorrangig von Männern besetzt wurden. Führungskräfte wie Ruth Liebe waren die Ausnahme. „Wenn sie nicht selbst den Mut hatten, sich weiterzuqualifizieren, war es schon schwierig“, bestätigte diese und erzählt von der Herausforderungen, die sich ihr beim Aufstieg im Betrieb auch als Mutter stellten: „Ich konnte nicht einfach sagen, ich gehe um 16 Uhr nach Hause“. 
 
Die Landesgleichstellungsbeauftragte Manuela Dörnenburg hat diese Hürden - die Diskrepanz zwischen Lohn- und Sorgearbeit - ebenfalls im Blick. Entscheidungen für Kinder oder Karriereleiter, für Pflege der Eltern oder Vollzeitjob müssen noch immer weit häufiger von Frauen als von Männern getroffen werden, schilderte sie. Auch wenn es einen Wandel im Selbstverständnis gebe, bestehen noch Stellschrauben, ist die Landesgleichstellungsbeauftragte klar. „Ich werde mich dafür einsetzen, dass wir die richtigen Lohnbedingungen schaffen“, sagte sie daher. 
 
Die acht Brandenburgerinnen, die in „Frauenarbeit. Frauenalltag. Frauenrecht“ zu Wort kommen, kämpften ebenfalls für bessere Arbeitsbedingungen, familienfreundliche Arbeitszeiten oder gleichen Lohn. Für die Gleichstellungsbeauftragte ist dieser biographische Ansatz der Wanderausstellung besonders ermutigend. „ Es sind tolle Beispiele von Frauen, die es geschafft haben“, findet sie. 
 
Wer „Frauenarbeit. Frauenalltag. Frauenrecht“entdecken möchte, sollte sich beeilen. Die Schau ist nur bis zum 3. März im Industriemuseum zu sehen, bevor sie an den nächsten Ort weiterzieht. Weitere Infos gibt es unter [www.industriemuseum-brandenburg.de]. 

Bilder

Dieser Artikel wurde bereits 655 mal aufgerufen.

Werbung