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Dabei begleiten, ein eigenes Rezept zu entwickeln: 5 Fragen an Beraterin Miriam Wlodarski

Interview
  • Erstellt: 13.03.2022 / 15:01 Uhr von Antje Preuschoff
Miriam Wlodarski ist als Koordinatorin des Familienzentrums Wusterwitz bekannt. Außerdem engagiert sich die 35-Jährige als Gemeindevertreterin sowie in diversen Projekten. Nun hat sie sich Ende 2021 als berufsbezogene Beraterin selbstständig gemacht, bietet Coaching und Supervision an. Im Gespräch erzählt sie, warum sie diese Tätigkeit so wertvoll findet und welche Fragestellungen ihre Klienten bewegen.
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Meetingpoint: Frau Wlordarski, wieso haben Sie sich neben all Ihren Aufgaben auch noch für die Selbstständigkeit entschieden?
Miriam Wlodarski: Aus meiner beruflichen Entwicklung heraus entstand in mir der Wunsch, anderen Menschen im Sozialen- und Gesundheitssystem beiseite zu stehen. Ich möchte ihnen dabei helfen, Arbeitsfähigkeit sowie Freude an der Arbeit zu erhalten und zu lernen, mit Dingen umzugehen, die zunächst unüberwindbar erscheinen. Es gibt in der Region wenig entsprechende Angebote. Sie werden aber gebraucht, habe ich festgestellt. Diese Zeit ist unheimlich schnelllebig. Supervision und Coaching ermöglichen, sich selbst zu justieren und selbst zu hinterfragen. Es geht darum, optimistisch mit dem Thema Arbeit umzugehen.
Was genau unterscheidet Supervision und Coaching?
Miriam Wlodarski: Supervision steht wortwörtlich für den Blick von außen oder von oben. Das heißt, da ist jemand, der von außen darauf schaut, was in einer Organisation, im Team oder auch bei dem Einzelnen konkret läuft und wo Veränderungsmöglichkeiten bestehen. Es geht darum, die Arbeitsfähigkeit im System zu erhalten oder wiederherzustellen. Es ist ein eher sozialarbeiterischer Blick, um Qualität zu sichern.
Coaching assoziieren viele mit Sport und resultiert aus dem Wunsch, Einzelpersonen oder Gruppen in ihrer Wirtschaftlichkeit oder Leistung zu stärken. Ziel ist, das Beste aus jemandem herauszuholen.
Ich würde die Begriffe aber gar nicht so stark voneinander trennen, weil bei beidem der Auftrag die berufsbezogene Beratung ist.
Wann und von wem werden Sie als Supervisorin angefragt?
Miriam Wlodarski: Es sind meist die Chefetagen, die feststellen, dass es Themen gibt, die das Team so bewegen, dass die Arbeitsfähigkeit leiden könnte. Häufig tritt es auf, wenn es neue Träger oder Leitungen gibt und dieser Prozess begleitet werden muss. Es geht dabei um Aspekte wie Identitätsstiftung, Gesprächskultur oder Konfliktbearbeitung. Ich finde es sehr gut, dass Organisationen schauen, wie sie etwas dafür tun können, dass der Laden – salopp gesagt – läuft und wachsen kann.
Es läuft in Zukunft verstärkt darauf hinaus, sich damit zu beschäftigen, wie gut qualifizierte Leute gehalten werden können, ob die Arbeitsstrategien stimmen oder sich das Unternehmen in die richtige Richtung bewegt. Das ist natürlich ein langer Prozess und Arbeit für alle Beteiligten. Aber am Ende überzeugen die qualitätssichernden Aspekte.
Welche Fragen bewegen Menschen, die Sie als Coach an ihrer Seite wollen?
Miriam Wlodarski: Das sind zum Beispiel Menschen, die erkennen, dass sie nur dieses eine Leben haben und das nun nach ihren Möglichkeiten gestalten und schauen wollen, wie sie glücklich sind. Der Individualismus, die eigenen Lebenswünsche spielen heute eine viel größere Rolle als in der Generation unserer Eltern, aber auch die Möglichkeiten, die jeder hat, sind viel breiter gefächert. Ich merke zudem, dass die Neuorientierung während der Pandemie sehr verbreitet ist, dass die Leute feststellen, dass sie sich verändern wollen. Je höher der Leidensdruck ist, desto eher kommen sie in der Regel.
Ich glaube jedoch sehr an Prävention. Das ist Achtsamkeit und Selbstoptimierung im besten Sinne. Wenn Menschen klar wird, sie können auch vorsorglich etwas tun, damit sie gesund bleiben und Freude an ihrem Job haben. In großen Ballungsräumen wie Stuttgart, Berlin, Hamburg, München hat sich dieser Gedanke schon durchgesetzt, aber hier muss sich das noch entwickeln. Wenn es sich herumspricht, dass das Coaching nutzbar, nachhaltig und wirksam ist, wird ein Umdenken einsetzen. Das ist mein Herzenswunsch.
Was sollten die Menschen wissen, wenn sie Supervision oder Coaching in Anspruch nehmen?
Miriam Wlodarski: Es ist kleinschrittig, braucht Zeit, Selbstreflexion und vor allem Arbeit an sich selbst. Es gibt da diesen Anspruch an Supervision und vor allem Coaching: „Mach mich mal ganz!“. Das funktioniert so nicht. Es geht darum, den Menschen zu begleiten, sein eigenes Rezept zu entwickeln. Das kann eine ganze Zeit dauern, kann aber auch durch eine simple Idee sofort Früchte tragen. Es gilt, zu verstehen, wie ich nachhaltig mit Wissen und Erkenntnissen umgehen kann.

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite [https://miriam-wlodarski.de].

Bilder

Foto: Wlodarski
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