Logo

Bittere Pille kurz vor Schluss

Sport
  • Erstellt: 02.04.2024 / 17:01 Uhr von Martin Terstegge
In der 90. Minute musste die BSG Stahl Brandenburg im Spitzenspiel gegen den SV Altlüdersdorf am Ostermontag die ganz bittere Pille schlucken. Nach einem Eckball kassierten sie durch Kelvin Adomah das frustrierende 1:2. Dadurch zogen die Altlüdersdorfer in der Tabelle an der BSG Stahl Brandenburg mit zwei Punkten Vorsprung vorbei und haben noch ein Spiel mehr auszutragen. Damit liegen die Meisterschafts-Trümpfe klar in den Händen des Brandenburgligaabsteigers. Um die 1000 Zuschauer sorgten beim Anpfiff für eine lautstarke Stimmung, doch schon nach zwei Minuten erwiesen sich die Gäste als Party-Crasher.
Anzeige

Ein abgewehrter Ball fiel Michael Horchert vor die Füße, der ihn von der Strafraumkante per Vollspann unhaltbar ins rechte untere Eck drosch. So ein Tor wird er in dieser Saison wohl nicht mehr erzielen. Für die gute Laune war der Rückstand abträglich, die Gastgeber benötigten eine Weile, ehe sie den Spielfaden aufnahmen.

Nach einer Viertelstunde fuchsten sie sich in die Partie, hatten deutlich mehr Ballbesitz, trafen aber auf einen Gegner, der sehr diszipliniert verteidigte. Im Stadion am Quenz standen sich schließlich die zwei Teams mit den besten Abwehrreihen der Landesliga Nord gegenüber. Zudem sprach das Größenverhältnis eher für die SVA-Mannschaft. Nach 28 Minuten besaßen die Gastgeber ihre erste Möglichkeit. Nach einem Eckball herrschte Konfusion in der SVA-Defensive, der nicht immer sicher wirkende SVA-Torhüter Yassin Itri verfehlte den Ball, doch seine Vorderleute klärten.

Immer ging es nur in eine Richtung, in die des Gästestrafraums. Die vielbeinige Abwehr bekam jedoch immer ein Bein dazwischen, wenn sich die Brandenburger einmal durchgetankt hatten. In der 43. Minute belohnten sich die Stahlspieler dann endlich für ihren Aufwand. Der Ball kam auf die linke Seite zu Luca Benedict Köhn, der zwei Abwehrspieler austanzte, dann genau auf den Kopf von Sebastian Hoyer flankte, der ins linke untere Eck einköpfte. Mittlerweile war der Ausgleich hochverdient.

Schwungvoll kamen die Platzherren aus der Kabine, sie suchten spürbar die Führung. Mit schnellen Ballpassagen sorgten sie für Unruhe in der SVA-Hälfte, setzten auch immer die Außen ein, so wie in der 54. Minute. Köhn flankte von links gefährlich in den Strafraum aus Diego Lima De Mello, der knapp verpasste und das Leder flog um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei. Nach einer Stunde die nächste gute Stahlchance. Der Freistoß von Leon Sitz wurde zunächst abgewehrt, Maximilian Glomm kam an den Ball, doch sein Schuss wurde gerade noch vor dem Einschlag geblockt.

Die Stahl-Elf war gut im Spiel, die Altlüdersdorfer beschränkten sich nur aufs Verteidigen und hatten in der 62. Minute ihre zweite Chance des Tages nach einem Konter, Schlussmann Felix Baitz war jedoch auf dem Posten. Der Knackpunkt des Spiels passierte in der 65. Minute. Noch in der Gästehälfte ging Marvin Krause in den Zweikampf auf der rechten Außenbahn, der nach Meinung des Schiedsrichters gelbwürdig war. Da Krause schon vor der Pause - da zurecht - verwarnt wurde, musste er per Gelb-Rot den Platz verlassen. Mit ein bisschen Fingerspitzengefühl hätte der Unparteiische Krause ermahnen können, um damit der Trainerbank die Möglichkeit zu geben, ihn auszuwechseln.

Nur drei Minuten später stockte den Stahl-Fans erneut der Atem. Die Gäste setzten zum Konter an, Baitz eilte aus seinen Kasten, kam an den Ball, dann hob der SVA-Stürmer Szymon Wierzchowski ab. Der Referee pfiff sofort und wohl die meisten im Stadion sahen die Stahlmannschaft bei neun Akteuren. Aber nein, der Schiedsrichter sah dies als Schwalbe und da auch Wierzchowski bereits verwarnt war, herrschte wieder Gleichheit bei der Spieleranzahl.

Trotz der zahlenmäßigen Ausgeglichenheit ging der Rhythmus bei den Gastgebern nach den Hinausstellungen verloren. In der Offensive traten sie nicht mehr gefährlich in Erscheinung, vieles spielte sich zunächst zwischen den Strafräumen ab. Erst in der Schlussphase der Partie zeigten die Gäste mehr Initiative. Wenn sie hohe Bälle in den Stahl-Sechzehner schlugen, wurde es einigen Stahl-Fans schon mulmig, doch die Situationen wurden bereinigt.

Bis zur 90. Minute sah es nach einem Unentschieden aus, was wohl alle als gerecht empfunden hätten. Dann bekamen die Altlüdersdorfer einen Freistoß zugesprochen, der von einem Brandenburger an die eigene Latte abgefälscht wurde. Aus der resultierenden Ecke folgte das 1:2. Die Platzherren gaben in der Nachspielzeit alles, doch die zündende Idee fehlte und so jubelten beim Abpfiff die Gäste.

Fassungslosigkeit machte sich breit, niemand aufseiten der BSG Stahl wusste, was passiert war. Trainer Aaron Müller konnte ebenfalls nicht erklären, warum seine Mannschaft am Ende mit leeren Händen dastand: „Nach dem frühen Rückstand haben wir zwar etwas gebraucht, doch haben uns dann minütlich in das Spiel hinein gekämpft und auch bestimmt. Schade, dass wir nicht eine unserer beiden guten Chance zu Beginn der zweiten Hälfte genutzt haben. Mit dem Platzverweis gab es einen Riss in unserem Spiel.“

Felix Baitz fühlte sich gleich an die Vorsaison erinnert. Im damaligen Spitzenspiel gegen Fortuna Babelsberg kassierten die Brandenburger kurz vor dem Abpfiff nach einem Eckball den Treffer zur Niederlage. „Genau so wie heute. Die anderen Teams sind da irgendwie abgezockter“, ärgerte sich der Torhüter.

Es ist schwierig, tröstliche Worte für die Stahl-Fußballer zu finden. Es lag nicht an der Einstellung, es war der entscheidende Fehler mehr, der den Ausschlag gab. Sie können jetzt nur noch von Spiel zu Spiel schauen und dabei möglichst alles zu gewinnen. In ihren eigenen Händen liegt die Meisterschaft momentan nicht mehr.

Doch die Altlüdersdorfer sind nicht unverwundbar, auch sie haben bereits zwei Niederlagen auf dem Konto. Bei einem erneuten Ausrutscher müssten die Brandenburger halt „Gewehr bei Fuß stehen“. Am kommenden Sonnabend (6. April/15 Uhr) empfangen sie den FSV Babelsberg 74.

Bilder

Dieser Artikel wurde bereits 1.187 mal aufgerufen.

Werbung