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Unglücklich im Job? Hilfe gibt es bei der Arbeitsagentur: "5 Fragen, 5 Antworten" mit Berater Peter Bertling

Interview
  • Erstellt: 21.01.2022 / 08:01 Uhr von Antje Preuschoff
Wer eine berufliche Veränderung sucht und nicht genau weiß, wie er es angehen soll: Die Agentur für Arbeit bietet als noch „junges“ Angebot die Berufsberatung im Erwerbsleben. Seit dem 1. Oktober 2021 kümmert sich Peter Bertling vor Ort in Brandenburg um solche Anliegen. Im Interview erzählt er, was genau das eigentlich bedeutet.
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Meetingpoint: Herr Bertling, für wen ist das Angebot gedacht?
Peter Bertling: Die Berufsberatung im Erwerbsleben richtet sich an Erwerbstätige. Ziel ist die Beratung von Beschäftigten, die den Wunsch nach beruflicher Neu- oder Umorientierung haben. Oder Beschäftigten, die mit dem Gedanken spielen, sich beruflich weiterzuentwickeln, sich zu qualifizieren, weiterzubilden.
Der zweite Ansatz ist, dass wir gemeinsam mit dem Arbeitgeberservice Unternehmen beraten und diese unterstützen, ihre Arbeitnehmer zu qualifizieren. Gegebenenfalls sprechen wir dazu auch mit den Arbeitnehmern im Betrieb, zum Beispiel, wenn es um Ängste geht oder jemand Zweifel hat, ob er für eine Weiterbildung geeignet ist.
Meetingpoint: Was zeichnet die Beratung Ihrer Ansicht nach aus?
Peter Bertling: Es ist als großer Unterschied keine Beratung „auf Zwang“, sondern ein rein freiwilliges Dienstleistungsangebot. Dadurch ist der Beratungskontext ein anderer, das Anliegen ist ehrlich und echt. Es gilt: Wenn jemand diese Beratung nicht mehr möchte, wird sie beendet. Ansonsten dauert sie, bis eine Entscheidung oder ein Weg gemeinsam erarbeitet worden ist. Das ist ein Kernelement: Die Entscheidung/Lösung wird gemeinsam erarbeitet, ich gebe in einer Beratung nichts vor, nur weil wir zum Beispiel in einem Beruf einen bestimmten Mangel haben. Wir sagen jetzt nicht: „Geh am besten in die Pflege, weil wir unbedingt Leute in der Pflege brauchen“. Die Entscheidung, was zu einem passt, fällt der Kunde im Rahmen der freien Berufswahl selbst.
Meetingpoint: Wie ist denn festgestellt worden, dass es einen Bedarf für ein solches Angebot gibt?
Peter Bertling: Der Bedarf liegt darin begründet, dass sich Berufslaufbahnen im Laufe der Jahre extrem geändert haben. Das klassische Beispiel in den 50er/60er/70er Jahren war, dass jemand einen Beruf erlernt, im Betrieb begonnen hat und dort bis zur Rente verblieb. Diese Kontinuität nimmt nun extrem ab. Berufsbiographien sind nicht mehr linear, sondern von Brüchen gekennzeichnet. Wobei Brüche durchaus positiv zu sehen sind. Es gibt Berufe, in denen es normal ist, den Arbeitgeber alle drei Jahre zu wechseln. Außerdem gibt es häufig Unzufriedenheiten oder Überforderungen in der aktuellen Tätigkeit, die sogar zu Erkrankungen wie Burnout führen können. Auch die können dafür sorgen, dass jemand seinen Beruf wechseln will. Diese Menschen wenden sich an uns, weil wir die Agentur für Arbeit sind. Letztendlich gehört das auch schon immer zu unseren Aufgaben und gewinnt jetzt mit dem Angebot einer lebenslangen Berufsberatung nochmal mehr an Bedeutung.
Meetingpoint: Worin bestehen denn Unterschiede zur Berufsberatung vor dem Erwerbsleben für junge Menschen vor der Ausbildung oder dem Studium?
Peter Bertling: Ein wichtiger Unterschied zu Berufsanfängern ist, dass die Menschen nun einen Lebensrucksack mitschleppen. Das sind Rahmenbedingungen und Verbindlichkeiten, die eine wichtige Rolle spielen wie familiäre Bedingungen, etwa Kinder, finanzielle Notwendigkeiten, örtliche Grenzen. All das ist bei Jugendlichen, die aus der Schule kommen in der Regel noch nicht so stark vorhanden. Das spielt genauso eine Rolle, wie die Frage, welche Erfahrungen ich bisher in meinem Beruf gemacht und was die aus und mit mir gemacht haben.
Teilweise merke ich sogar, dass sich Kunden erstmalig intensiv mit der eigenen Berufswahl beschäftigen. Da sind von Termin zu Termin deutliche Fortschritte zu sehen. Es rückt in der Priorität nach vorne und wird ernst genommen.
Meetingpoint: Findet die Beratung in den Räumen der Agentur statt?
Peter Bertling: Das ist abhängig von den Bedarfen und Wünschen der zu beratenen Menschen. Es gibt Beschäftigte, die nicht zur Agentur für Arbeit / ins Jobcenter wollen, das als unangenehm empfinden. Darauf stellen wir uns ein. Wir können Gespräche beim Arbeitgeber machen, wenn beide im Boot sind. Wir können aber auch einen „Walk and Talk“ machen, also draußen an der frischen Luft sprechen, oder im Café. Und auch wenn es zeitlich für die zu beratenen Beschäftigten eng wird, finden wir Wege und Lösungen um zueinander zu kommen. Hier bieten wir zum Beispiel Online-Beratungen an, die gegenwärtig auch sehr nachgefragt sind.

Wer mehr zum Angebot wissen möchte, findet Infos auf der Internetseite der Arbeitsagentur: [klick].

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